Überblick
Fanny Hensel (geborene Mendelssohn, 1805–1847) war eine herausragende deutsche Komponistin und Pianistin der Romantik. Trotz ihres außergewöhnlichen Talents stand sie lange im Schatten ihres jüngeren Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy, da eine berufliche Laufbahn als Musikerin für Frauen in ihrer Zeit gesellschaftlich nicht vorgesehen war.
Hier ist ein Überblick über ihr Leben und Schaffen:
Herkunft und Ausbildung
Musikalische Anfänge: Als älteste Tochter der jüdischen Bankiersfamilie Mendelssohn in Hamburg geboren, wuchs sie in Berlin in einem hochgebildeten Umfeld auf. Schon früh zeigte sie eine geniale Begabung; mit 13 Jahren spielte sie alle 24 Präludien aus Bachs Wohltemperiertem Klavier auswendig.
Gemeinsamer Weg: Sie erhielt die gleiche erstklassige musikalische Ausbildung wie ihr Bruder Felix, unter anderem bei Carl Friedrich Zelter. Die Geschwister verband eine lebenslange, tiefe künstlerische Beziehung, in der sie sich gegenseitig als engste Ratgeber und Kritiker fungierten.
Künstlerisches Wirken
Die Sonntagsmusiken: Da ihr Vater und auch ihr Bruder eine öffentliche Karriere ablehnten, konzentrierte Fanny ihr Wirken auf den privaten Rahmen. Sie leitete in Berlin die berühmten „Sonntagsmusiken“ – eine Konzertreihe im Haus der Familie, die zu einer bedeutenden kulturellen Institution wurde. Dort trat sie als Pianistin und Dirigentin auf und brachte eigene Werke sowie Stücke ihres Bruders zur Aufführung.
Kompositionen: Ihr Gesamtwerk umfasst über 460 Kompositionen. Ein Schwerpunkt lag auf:
Liedern: Über 250 Lieder mit Klavierbegleitung.
Klavierwerken: Darunter der bedeutende Zyklus Das Jahr (12 Charakterstücke).
Kammermusik: Zum Beispiel das Klaviertrio d-Moll op. 11.
Größere Werke: Sie komponierte auch Chorlieder und das Oratorium nach Bildern der Bibel.
Hindernisse und späte Publikation
Ihr Vater betonte früh, dass Musik für Felix ein Beruf, für sie jedoch nur eine Zierde sein könne. Aus diesem Grund veröffentlichte sie einige ihrer frühen Lieder unter dem Namen ihres Bruders. Erst kurz vor ihrem frühen Tod im Jahr 1847 entschloss sie sich – ermutigt durch ihren Ehemann, den Maler Wilhelm Hensel, und gegen den Widerstand ihres Bruders – eigene Werke unter ihrem Namen herauszugeben (op. 1 bis op. 7).
Vermächtnis
Fanny Hensel starb 1847 im Alter von nur 41 Jahren während einer Musikprobe an einem Schlaganfall. Ihr Werk wurde erst ab den 1970er und 80er Jahren im Zuge der musikwissenschaftlichen Frauenforschung wiederentdeckt und gilt heute als eines der bedeutendsten der romantischen Epoche.
Geschichte
Fanny Mendelssohn Hensel wurde 1805 in Hamburg in eine hochgebildete Familie hineingeboren. Schon als Kleinkind attestierte ihr die Mutter „Bach’sche Fugenfinger“, und tatsächlich zeigte sie, ebenso wie ihr jüngerer Bruder Felix, eine außergewöhnliche musikalische Begabung. Mit gerade einmal 13 Jahren spielte sie ihrem Vater alle 24 Präludien aus Bachs Wohltemperiertem Klavier auswendig vor.
Obwohl Fanny die gleiche exzellente musikalische Ausbildung wie Felix erhielt, stieß sie früh an gesellschaftliche Grenzen. Ihr Vater machte ihr unmissverständlich klar, dass die Musik für den Bruder ein Beruf, für sie jedoch nur eine „Zierde“ sein könne. Diese Haltung spiegelte die damaligen Konventionen wider, die Frauen eine öffentliche Karriere untersagten. Fanny arrangierte sich damit, indem sie das Zentrum ihres Wirkens in den privaten Raum verlegte. Sie übernahm die Leitung der „Sonntagsmusiken“ im Berliner Elternhaus, die unter ihr zu einer bedeutenden kulturellen Institution wurden. Dort trat sie als Pianistin und Dirigentin auf und präsentierte ihre eigenen Werke vor einem exklusiven Publikum, zu dem später auch Größen wie Franz Liszt und Clara Schumann gehörten.
Ihre enge Bindung zu Felix war von gegenseitigem künstlerischem Respekt geprägt, aber auch von Spannungen bezüglich ihrer Ambitionen. Lange Zeit veröffentlichte sie ihre Kompositionen gar nicht oder unter dem Namen ihres Bruders. Erst spät im Leben, bestärkt durch ihren Ehemann, den Maler Wilhelm Hensel, und nach einer inspirierenden Italienreise, wagte sie den Schritt in die Öffentlichkeit. 1846 begann sie, ihre Werke unter eigenem Namen drucken zu lassen.
Ihre Geschichte endete jedoch abrupt: Im Mai 1847 erlitt sie während einer Musikprobe einen Schlaganfall und verstarb im Alter von 41 Jahren. Ihr umfangreiches Werk von über 460 Kompositionen geriet danach lange in Vergessenheit und wurde erst ab den 1970er Jahren als bedeutendes Erbe der Romantik wiederentdeckt.
Chronologische Geschichte
Fanny Mendelssohn Hensels Leben verlief in einer ständigen Spannung zwischen ihrem außergewöhnlichen Talent und den restriktiven gesellschaftlichen Erwartungen des 19. Jahrhunderts.
Die Geschichte beginnt im November 1805 in Hamburg, wo sie als ältestes Kind der Bankiersfamilie Mendelssohn geboren wird. Schon früh wird ihre musikalische Genialität erkannt; ihre Mutter Lea beschreibt ihre Finger bereits kurz nach der Geburt als „Bach’sche Fugenfinger“. Im Jahr 1811 flieht die Familie vor der französischen Besatzung nach Berlin, wo Fanny zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Felix eine erstklassige Ausbildung erhält. Ein prägender Moment ihrer Jugend ereignet sich 1816, als sie mit ihrem Bruder in Paris Musikunterricht erhält und kurz darauf in Berlin Schülerin des berühmten Carl Friedrich Zelter wird.
Ihre Jugendjahre sind geprägt von einer rasanten künstlerischen Entwicklung: 1819, mit gerade einmal 13 Jahren, beeindruckt sie ihren Vater, indem sie ihm alle 24 Präludien aus Bachs Wohltemperiertem Klavier auswendig vorspielt. Doch bereits in dieser Zeit werden die Weichen für ihre Zukunft gestellt. In einem berühmten Brief von 1820 erinnert ihr Vater sie daran, dass die Musik für Felix zwar ein Beruf, für sie jedoch stets nur eine „Zierde“ bleiben könne. Trotz dieser Einschränkung beginnt sie in den folgenden Jahren intensiv zu komponieren; 1822 lernt sie zudem ihren späteren Ehemann, den Maler Wilhelm Hensel, kennen.
Die 1820er und 1830er Jahre sind eine Zeit des „privaten“ Schaffens. Ab 1822 etabliert ihre Mutter die „Sonntagsmusiken“, deren Leitung Fanny später übernimmt und die sie zu einer der wichtigsten kulturellen Adressen Berlins macht. Da sie selbst nicht öffentlich publizieren darf, erscheinen im Jahr 1827 und 1830 einige ihrer Lieder anonym unter dem Namen ihres Bruders Felix in dessen Sammlungen. Nachdem Wilhelm Hensel 1828 von einer langen Italienreise zurückkehrt, heiratet das Paar im Oktober 1829. Ein Jahr später, im Juni 1830, wird ihr Sohn Sebastian geboren.
In den 1830er Jahren entstehen bedeutende Werke wie das Oratorium nach Bildern der Bibel (1831) und ihr Streichquartett (1834). Einen entscheidenden Wendepunkt markiert die Italienreise der Familie in den Jahren 1839 bis 1840. Die dort erfahrene künstlerische Anerkennung, unter anderem durch den Komponisten Charles Gounod, beflügelt sie nachhaltig. Nach ihrer Rückkehr komponiert sie 1841 ihren berühmten Klavierzyklus Das Jahr.
Erst im Jahr 1846, bestärkt durch ihren Mann und gegen den anfänglichen Widerstand ihres Bruders, entschließt sie sich zur offiziellen Publikation ihrer Werke unter eigenem Namen. Ihre Opus-Zahlen 1 bis 7 erscheinen in rascher Folge. Doch dieser späte Triumph währt nur kurz: Am 14. Mai 1847 erleidet Fanny Hensel während der Probe zu einer Aufführung von Felix’ Erster Walpurgisnacht einen Schlaganfall und stirbt noch am selben Tag in Berlin. Ihr Bruder überlebt sie nur um wenige Monate.
Stil(en), Strömung(en) und Epoche(n) der Musik
Fanny Mendelssohn Hensel war eine der zentralen, wenn auch lange verkannten Gestalten der Romantik. Ihr Stil ist untrennbar mit der ästhetischen Strömung der deutschen Hochromantik verbunden, die das Gefühl, die Naturverbundenheit und die individuelle Seele in das Zentrum der Kunst rückte.
Die Epoche und die Strömung
Ihre Musik lässt sich eindeutig der Romantik zuordnen, wobei sie speziell in der Tradition der „Leipziger Schule“ stand. Im Gegensatz zum Barock (der durch strenge Polyphonie geprägt war) oder dem Klassizismus (der auf Symmetrie und klare Form setzte), strebte Fanny nach einem subjektiven Ausdruck. Dennoch war ihre Erziehung tief im Klassizismus verwurzelt. Durch ihre Lehrer lernte sie die Musik von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart so intensiv kennen, dass ihr Stil oft als eine Brücke beschrieben wird: Sie nutzte die soliden, fast architektonischen Strukturen des Barock und der Klassik, um darin die hochemotionalen und oft melancholischen Inhalte der Romantik zu entfalten.
Neu oder alt? Traditionell oder innovativ?
Die Frage, ob ihre Musik „neu“ oder „alt“ war, lässt sich nicht mit einem Wort beantworten, da Fanny eine meisterhafte Balance zwischen Tradition und Innovation hielt.
Auf den ersten Blick wirkt ihre Musik traditionell, da sie sich klassischer Gattungen wie dem Lied, dem Klavierstück und der Sonate bediente. Sie war keine „Radikale“ im Sinne späterer Komponisten wie Richard Wagner oder Franz Liszt, die die alten Formen sprengen wollten. Stattdessen arbeitete sie innerhalb der bestehenden Strukturen, füllte diese aber mit einem sehr persönlichen Geist.
Ihre Innovation lag im Detail, insbesondere in ihrer Harmonik und der Entwicklung der „Lieder ohne Worte“. Sie experimentierte mit kühnen Modulationen und chromatischen Wendungen, die für ihre Zeit durchaus fortschrittlich waren. Besonders ihr Klavierzyklus Das Jahr gilt heute als visionär. Es handelt sich um ein frühes Beispiel für Programmmusik – ein Werk, das nicht nur abstrakte Töne spielt, sondern den Verlauf der zwölf Monate musikalisch nachzeichnet. In solchen Werken zeigte sie sich als eine Komponistin, die die Grenzen der häuslichen Musik weit überschritt.
Moderat oder radikal?
Ihr Stil war insgesamt eher moderat. Sie suchte nicht den radikalen Bruch mit der Vergangenheit, sondern die Perfektionierung der Ausdruckskraft. Während die Musikgeschichte oft die „Rebellen“ feiert, lag Fannys Stärke in der lyrischen Dichte und der kompositorischen Tiefe. Ihre Musik ist hochkomplex und intellektuell anspruchsvoll, bleibt aber immer der Sanglichkeit und einer gewissen klanglichen Schönheit verpflichtet.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Fanny Mendelssohn Hensel war eine Romantikerin mit klassischem Fundament. Ihre Musik war für die damalige Zeit modern in ihrer Emotionalität, aber tief respektvoll gegenüber der Tradition – eine feinsinnige Weiterentwicklung dessen, was Musik sein konnte, ohne dabei die klangliche Harmonie aufzugeben.
Musikgenres
Das Werk von Fanny Mendelssohn Hensel umfasst über 460 Kompositionen und konzentriert sich primär auf die „kleinen Formen“, die in der Romantik besonders geschätzt wurden. Ihr Schaffen lässt sich in folgende zentrale Genres unterteilen:
Vokalmusik (Lieder und Gesänge)
Das Lied bildet das Herzstück ihres Schaffens. Sie komponierte etwa 250 Lieder für Singstimme und Klavier.
Solo-Lieder: Diese zeichnen sich durch eine enge Verbindung von Text und Musik aus, wobei sie oft Gedichte von Zeitgenossen wie Goethe oder Heine vertonte.
Chormusik: Ein besonderes Genre sind ihre Gartenlieder (op. 3) – Gesänge für Sopran, Alt, Tenor und Bass, die oft im Freien oder im Rahmen ihrer Sonntagsmusiken a cappella aufgeführt wurden.
Klaviermusik (Charakterstücke und Sonaten)
Da Fanny selbst eine exzellente Pianistin war, ist ihr Oeuvre für Klavier besonders umfangreich.
Lieder ohne Worte: Sie prägte dieses Genre (das oft fälschlicherweise allein ihrem Bruder zugeschrieben wird) entscheidend mit. Es handelt sich um lyrische Klavierstücke, die eine gesangliche Melodie auf das Instrument übertragen.
Charakterstücke: Ihr bedeutendstes Werk in diesem Bereich ist der Zyklus Das Jahr (1841), der aus 12 Stücken besteht, die jeweils einen Monat beschreiben.
Sonaten: Sie schrieb mehrere Klaviersonaten (z. B. in c-Moll und g-Moll), die formal komplexer und technisch anspruchsvoller sind.
Kammermusik
In der Kammermusik bewies Fanny, dass sie auch größere Besetzungen meisterhaft beherrschte.
Klaviertrio: Ihr Klaviertrio d-Moll op. 11 gilt als eines ihrer reifsten Instrumentalwerke.
Streichquartett: Sie komponierte ein bemerkenswertes Streichquartett in Es-Dur (1834), was für Komponistinnen ihrer Zeit ungewöhnlich war, da dieses Genre als „Königsdisziplin“ galt.
Weitere Besetzungen: Zudem hinterließ sie ein Klavierquartett (As-Dur) sowie Stücke für Violoncello und Klavier (wie die Fantasia oder das Capriccio).
Größere Besetzungen und geistliche Werke
Obwohl sie seltener für großes Orchester schrieb, gibt es Ausnahmen, die ihre Vielseitigkeit unterstreichen:
Oratorien und Kantaten: Dazu gehören das Oratorium nach Bildern der Bibel, die Hiob-Kantate und die Cholera-Kantate.
Orchesterwerke: Ihre Ouvertüre in C-Dur ist eines ihrer wenigen reinen Orchesterwerke.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fanny Mendelssohn Hensel vor allem das Lied und das lyrische Klavierstück perfektionierte, aber auch in der Kammermusik und Geistlichen Musik bedeutende Akzente setzte.
Merkmale der Musik
Die Musik von Fanny Mendelssohn Hensel zeichnet sich durch eine faszinierende Mischung aus intellektueller Strenge und hochemotionaler Ausdruckskraft aus. Ihr Stil ist geprägt von einer tiefen Kenntnis der Musikgeschichte, die sie mit dem subjektiven Empfinden der Romantik verband.
Hier sind die zentralen Merkmale ihres kompositorischen Schaffens:
Lyrik und Melodik
Das wohl markanteste Merkmal ihrer Musik ist die Kantabilität (Sanglichkeit). Da sie eine der bedeutendsten Liedkomponistinnen ihrer Zeit war, übertrug sie das lyrische Element des Gesangs auf das Klavier. Ihre Melodien sind oft weit gespannt, sehnsuchtsvoll und von einer natürlichen Eleganz. Selbst in technisch anspruchsvollen Passagen bleibt die melodische Linie das tragende Element, was besonders in ihren „Liedern ohne Worte“ deutlich wird.
Harmonische Kühnheit
Während ihr Bruder Felix oft für seine klassische Klarheit bekannt ist, zeigt Fanny in ihren Werken eine überraschende Experimentierfreude in der Harmonik. Sie nutzt häufig:
Chromatik: Das Einbauen von Halbtönen, um Spannungen und Schattierungen zu erzeugen.
Modulationen: Sie wechselt oft in entlegene Tonarten, was ihrer Musik eine rastlose, beinahe moderne Tiefe verleiht.
Dissonanzen: Diese setzt sie gezielt ein, um seelische Zustände oder Schmerz auszudrücken, was ihren Werken eine sehr persönliche Note gibt.
Polyphonie und Bach-Bezug
Fannys Musik ist handwerklich auf höchstem Niveau konstruiert. Durch ihre frühe Ausbildung bei Zelter war sie eine Expertin für den Kontrapunkt. Sie verwebte oft mehrere eigenständige Melodien miteinander, was ihrer Musik eine dichte, fast architektonische Textur verleiht. Diese Vorliebe für die Polyphonie zeigt ihren tiefen Respekt vor Johann Sebastian Bach, dessen Einfluss in fast all ihren Werken spürbar ist.
Rhythmik und Dynamik
In ihren Klavierwerken findet man oft eine energetische, drängende Rhythmik. Sie liebt fließende Sechzehntel-Bewegungen und komplexe Begleitfiguren, die dem Klavier einen orchestralen Klang verleihen. Ihre Dynamik ist selten statisch; sie arbeitet viel mit Crescendo und Decrescendo, um dramatische Steigerungen und plötzliche Rückzüge ins Private zu inszenieren.
Virtuosität ohne Selbstdarstellung
Als herausragende Pianistin schrieb sie Stücke, die technisch höchst anspruchsvoll sind. Doch im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen diente die Virtuosität bei ihr nie dem reinen Selbstzweck oder der Show. Die technischen Schwierigkeiten sind stets in den Dienst der musikalischen Aussage gestellt. Ihre Musik fordert den Interpreten geistig wie technisch, bleibt dabei aber immer substanziell.
Das „Weibliche“ und das „Private“
Lange wurde ihr Stil als „weiblich-sanft“ missverstanden. Die moderne Forschung zeigt jedoch, dass ihre Musik oft eine enorme Kraft, Wildheit und Entschlossenheit besitzt (etwa im Klaviertrio d-Moll). Ihr Stil reflektiert die Atmosphäre der Berliner Salons: Er ist hochgebildet, intim, gesprächig und doch von einer emotionalen Wucht, die weit über den privaten Rahmen hinausreicht.
Auswirkungen und Einflüsse
Fanny Mendelssohn Hensels Einfluss ist eine Geschichte, die zwei Phasen hat: die unmittelbare Wirkung auf ihr Berliner Umfeld im 19. Jahrhundert und die tiefgreifende Bedeutung für die Musikgeschichtsschreibung und Frauenbewegung seit dem späten 20. Jahrhundert.
Hier sind die zentralen Bereiche, in denen sie Auswirkungen und Spuren hinterlassen hat:
1. Zentrum der Berliner Kultur (Die Sonntagsmusiken)
Fanny war die treibende Kraft hinter einer der bedeutendsten kulturellen Institutionen Berlins. In ihrem Haus führte sie die Tradition der Sonntagsmusiken fort.
Plattform für Innovation: Sie schuf einen Raum, in dem neue Kompositionen (ihre eigenen und die ihres Bruders) vor einem hochkarätigen Publikum aus Diplomaten, Wissenschaftlern und Künstlern wie Alexander von Humboldt oder Franz Liszt getestet wurden.
Wiederbelebung alter Meister: Durch ihre Programme trug sie maßgeblich dazu bei, dass das Werk von J.S. Bach und Händel im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und geschätzt wurde.
2. Einfluss auf Felix Mendelssohn Bartholdy
Die Beziehung zwischen Fanny und Felix war eine künstlerische Symbiose.
Die „andere Hälfte“ des Talents: Felix nannte sie seine „Minerva“ und schickte ihr fast jede seiner Partituren zur Korrektur, bevor er sie veröffentlichte. Ihr Urteil war für ihn maßgeblich.
Genre-Schöpfung: Die Erfindung der „Lieder ohne Worte“ war ein gemeinschaftlicher Prozess. Fannys Beiträge zu diesem Genre beeinflussten Felix’ eigenen Klavierstil massiv.
Anonyme Veröffentlichungen: Da einige ihrer Lieder unter seinem Namen erschienen, prägte sie das Bild des „Mendelssohn-Stils“ mit, ohne dass die Welt damals wusste, wie viel davon tatsächlich von ihr stammte (wie etwa das berühmte Lied Italien).
3. Wegbereiterin für Komponistinnen
Obwohl Fanny zu Lebzeiten kaum öffentlich publizierte, ist ihre heutige Wirkung auf die Rolle der Frau in der Musik monumental.
Durchbrechen von Barrieren: Ihre Entscheidung, 1846 (kurz vor ihrem Tod) ihre Werke gegen den Willen des Bruders offiziell drucken zu lassen, war ein Akt der Emanzipation. Sie bewies, dass eine Frau komplexe Formen wie Streichquartette oder Oratorien auf professionellem Niveau beherrschen konnte.
Symbolfigur der Musikwissenschaft: In den 1970er Jahren wurde sie zur zentralen Figur der feministischen Musikforschung. Ihr Schicksal und ihre Qualität führten dazu, dass die Musikgeschichte umgeschrieben werden musste, um die Leistungen von Frauen anzuerkennen.
4. Innovation in der Programmmusik
Mit ihrem Klavierzyklus Das Jahr (12 Charakterstücke für die Monate) hinterließ sie ein wegweisendes Beispiel für die Programmmusik. Sie verknüpfte Musik mit visuellen Eindrücken (ihre Manuskripte waren von ihrem Mann Wilhelm Hensel illustriert) und persönlichen Reiseerinnerungen. Dieser zyklische Aufbau beeinflusste spätere Komponisten, die Musik als erzählendes Medium verstanden.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Zu Lebzeiten war Fanny die „graue Eminenz“ hinter dem Erfolg ihres Bruders und eine zentrale Netzwerkerin der Romantik. Heute ist sie ein künstlerisches Vorbild, dessen Wiederentdeckung das Verständnis der gesamten Epoche verändert hat.
Musikalische Aktivitäten außer dem Komponieren
Neben ihrer Tätigkeit als Komponistin war Fanny Mendelssohn Hensel eine zentrale Figur des Berliner Musiklebens, die als Interpretin, Organisatorin und künstlerische Mentorin agierte. Ihre Aktivitäten ließen sich kaum vom Komponieren trennen, da sie ihre eigenen Werke oft selbst zur Aufführung brachte.
Die „Sonntagsmusiken“: Organisation und Leitung
Ihre bedeutendste Rolle außerhalb der Komposition war die der Veranstalterin und Leiterin der Sonntagsmusiken. Ab 1831 führte sie diese privaten, aber hochkarätigen Konzerte im Gartensaal des Mendelssohn’schen Hauses in eigener Regie.
Dirigentin: Fanny leitete bei diesen Gelegenheiten einen eigenen Chor und ein Orchester (oft zusammengesetzt aus Profimusikern des Königstädtischen Theaters). Sie galt unter Zeitgenossen als brillante Dirigentin und war eine der ersten Frauen, die öffentlich zum Taktstock griffen.
Programmatische Arbeit: Sie stellte anspruchsvolle Programme zusammen, die weit über den damals üblichen „Salon-Geschmack“ hinausgingen. Sie führte große Werke von Bach, Händel, Mozart und Beethoven auf und trug so maßgeblich zur Berliner Bach-Renaissance bei. Auch Uraufführungen von Werken ihres Bruders Felix (wie das Oratorium Paulus) fanden unter ihrer Leitung statt.
Pianistische Virtuosität
Fanny war eine der herausragenden Pianistinnen ihrer Epoche. Obwohl sie aufgrund gesellschaftlicher Konventionen nur selten in öffentlichen Konzertsälen auftrat, war ihr Spiel in Fachkreisen legendär.
Reputation: Clara Schumann, selbst eine weltberühmte Pianistin, schätzte Fannys Spiel außerordentlich und verglich andere Pianisten später an diesem hohen Maßstab.
Öffentliche Auftritte: Zu ihren seltenen öffentlichen Auftritten gehörte die Aufführung des Klavierkonzerts Nr. 1 g-Moll ihres Bruders im Jahr 1838 im Berliner Schauspielhaus.
Künstlerische Mentorin und Korrespondentin
Fanny fungierte als engste künstlerische Beraterin für ihren Bruder Felix. Diese „Korrespondenz in Tönen“ war eine ihrer intensivsten musikalischen Tätigkeiten:
Kritik und Korrektur: Felix legte ihr fast jede neue Partitur zur Prüfung vor. Ihr Urteil war für ihn so entscheidend, dass er ohne ihre Zustimmung oft keine Änderungen vornahm oder Werke veröffentlichte.
Kulturelle Vermittlung: Während ihrer Italienreise (1839/40) fungierte sie als eine Art musikalische Botschafterin. In Rom machte sie junge Musiker wie Charles Gounod mit der Musik von Bach und Beethoven bekannt und beeinflusste so deren künstlerische Entwicklung.
Pädagogik und Erbe
In ihrem privaten Umfeld war sie auch als Lehrerin tätig und prägte die musikalische Bildung ihres Sohnes Sebastian sowie die Atmosphäre in ihrem Salon, der als „private Universität“ für den Austausch über Musik, Kunst und Philosophie diente.
Zusammenfassend war Fanny Mendelssohn Hensel eine vollständige Musikerin, die das Berliner Kulturleben als Dirigentin, Pianistin und intellektuelle Mentorin ebenso stark prägte wie durch ihre Noten.
Aktivitäten außer Musik
Fanny Mendelssohn Hensel war eine Frau von umfassender Bildung, deren Interessen und Talente weit über die Musik hinausgingen. In der hochgebildeten Atmosphäre des Berliner Bürgertums pflegte sie ein reges intellektuelles und gesellschaftliches Leben.
Hier sind ihre zentralen Aktivitäten abseits der Musik:
Salonnière und Netzwerkerin
Fanny war eine begnadete Gastgeberin. Ihr Salon war nicht nur ein Ort für Musik, sondern ein intellektuelles Zentrum Berlins. Sie brachte Menschen aus den verschiedensten Disziplinen zusammen. Zu ihren Gästen gehörten Naturforscher wie Alexander von Humboldt, Dichter wie Heinrich Heine, Philosophen wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Bildhauer wie Christian Daniel Rauch. Fanny moderierte diese Zusammenkünfte, führte Korrespondenzen mit den führenden Köpfen ihrer Zeit und beteiligte sich aktiv an den Debatten über Literatur, Politik und Wissenschaft.
Literatur und Sprachen
Fanny verfügte über eine profunde literarische Bildung. Sie las Klassiker wie Goethe und Shakespeare im Original und beherrschte neben Deutsch auch Französisch, Englisch, Italienisch und Latein. Diese Sprachkenntnisse nutzte sie nicht nur für ihre Vertonungen, sondern auch für eine intensive Beschäftigung mit der Weltliteratur. Sie verfasste geistreiche Briefe und Tagebücher, die heute als wichtige Zeitzeugnisse für das Leben im 19. Jahrhundert gelten und ihren scharfen Verstand sowie ihr psychologisches Gespür offenbaren.
Reisen und Bildungsforschung
Ein prägender Teil ihres Lebens waren ausgedehnte Reisen, insbesondere ihre große Italienreise (1839/40). Diese Reise war für sie weit mehr als Urlaub; es war eine Bildungsreise im klassischen Sinne. Sie studierte die Kunstschätze in Venedig, Florenz und Rom, setzte sich mit der Architektur und der Geschichte der Orte auseinander und hielt ihre Eindrücke in detaillierten Tagebüchern fest. Diese Reise bedeutete für sie eine persönliche Emanzipation, da sie dort als eigenständige Intellektuelle wahrgenommen wurde.
Kunst und Skizzieren
Durch ihre Ehe mit dem Hofmaler Wilhelm Hensel war sie eng mit der Welt der bildenden Kunst verbunden. Sie begleitete ihren Mann oft bei seiner Arbeit und entwickelte selbst ein Auge für visuelle Kompositionen. Während sie selbst keine professionelle Malerin war, war sie eine scharfe Beobachterin und arbeitete eng mit Wilhelm zusammen, wenn es darum ging, Musik und Bildende Kunst zu verbinden – etwa bei der Illustration ihrer Notenmanuskripte.
Erziehung und Familienmanagement
Trotz ihrer künstlerischen Ambitionen trug Fanny die Verantwortung für einen großen Haushalt. Sie widmete sich intensiv der Erziehung ihres Sohnes Sebastian, den sie nach ihren Lieblingskomponisten (Johann Sebastian Bach) benannt hatte. Sie überwachte seine Ausbildung und sorgte dafür, dass er in einem Umfeld aufwuchs, das sowohl künstlerisch als auch wissenschaftlich anregend war.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fanny Mendelssohn Hensel eine Universalgelehrte im Kleinen war. Ihr Leben war ein ständiger Austausch zwischen den Künsten und den Wissenschaften, was sie zu einer der profiliertesten Frauenfiguren der deutschen Romantik macht.
Als Spielerin
Wenn man Fanny Mendelssohn Hensel als Spielerin – also als ausführende Pianistin – betrachtet, beschreibt man eine Frau, die technisch auf Augenhöhe mit den größten Virtuosen ihrer Zeit stand, ihr Spiel jedoch fast ausschließlich im privaten oder halböffentlichen Raum entfaltete.
Die Virtuosin im Verborgenen
Fanny wurde von denselben Lehrern ausgebildet wie ihr Bruder Felix. Schon früh galt sie als das pianistische Wunderkind der Familie. Ihr Spiel zeichnete sich durch eine phänomenale Technik aus, die sie jedoch nie zur bloßen Schau stellte. Während Zeitgenossen wie Franz Liszt das Klavier oft “bezwangen” und ein Spektakel daraus machten, war Fannys Stil von einer tiefen intellektuellen Durchdringung geprägt. Sie spielte nicht nur Noten; sie legte die Struktur der Musik offen.
Merkmale ihres Klavierspiels
Die Bach-Tradition: Ihr Spiel war tief im Studium von Johann Sebastian Bach verwurzelt. Das verlieh ihrem Anschlag eine Klarheit und Präzision, die selbst in komplexesten polyphonen Passagen (wo mehrere Melodien gleichzeitig laufen) niemals matschig wirkte.
Kraft und Energie: Berichte von Zeitgenossen heben oft hervor, dass Fanny mit einer überraschenden Kraft und Bestimmtheit spielte. Ihr Spiel war keineswegs “lieblich” oder “zart”, wie man es damals von einer Frau erwartete, sondern feurig, energisch und von einem starken rhythmischen Drive geprägt.
Gesanglichkeit (Cantabile): Als Komponistin von Hunderten Liedern wusste sie, wie man das Klavier “singen” lässt. Sie besaß die Fähigkeit, eine Melodie so hervorzuheben, dass sie über der Begleitung schwebte – eine Technik, die sie zur idealen Interpretin ihrer eigenen Lieder ohne Worte machte.
Die “Sonntagsmusiken” als ihre Bühne
Da ihr der Weg auf die großen Konzertbühnen der Welt gesellschaftlich versperrt war, schuf sie sich im Gartensaal ihres Elternhauses ihre eigene Arena. Als Spielerin in diesen Sonntagsmusiken war sie:
Solistin: Sie spielte die schwierigsten Werke von Beethoven und Bach.
Ensemblemusikerin: Sie war das Herzstück jeder Kammermusikbesetzung.
Dirigentin vom Klavier aus: Wie es damals üblich war, leitete sie oft größere Ensembles und Chöre direkt vom Flügel aus, was höchste Konzentration und Übersicht erforderte.
Anerkennung durch Fachkollegen
Die Qualität ihres Spiels lässt sich am besten an der Reaktion ihrer Kollegen ablesen. Clara Schumann, die wohl berühmteste Pianistin des 19. Jahrhunderts, hörte Fanny spielen und war tief beeindruckt. Obwohl Clara als kritisch galt, erkannte sie in Fanny eine ebenbürtige Künstlerin. Auch für Felix war Fanny die wichtigste Instanz: Er vertraute ihrem pianistischen Urteil blind und ließ sich oft von ihrem Spiel inspirieren, wenn er seine eigenen Werke vollendete.
Ein seltener Moment öffentlicher Sichtbarkeit war ihr Auftritt 1838, als sie das 1. Klavierkonzert ihres Bruders für einen wohltätigen Zweck spielte. Die Kritiken waren euphorisch und bewunderten ihre Souveränität und die “männliche” Kraft ihres Vortrags – ein zweifelhaftes Kompliment der Zeit, das jedoch ihre außergewöhnliche Autorität am Instrument unterstrich.
Musikalische Familie
Die Familie Mendelssohn war eine der außergewöhnlichsten Dynastien der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte. Musik, Philosophie und Bankwesen verschmolzen hier zu einem Umfeld, das Fanny und ihre Geschwister von Geburt an prägte.
Hier ist ein Überblick über ihre engsten musikalischen Verwandten und Vorfahren:
Der Bruder: Felix Mendelssohn Bartholdy
Die wichtigste musikalische Beziehung in Fannys Leben war die zu ihrem jüngeren Bruder Felix (1809–1847). Die beiden waren als Kinder unzertrennlich und erhielten die exakt gleiche Ausbildung.
Künstlerisches Echo: Sie nannten sich gegenseitig ihre “Minerva” oder “andere Hälfte”. Felix war ein Weltstar der Musikgeschichte, doch er gab offen zu, dass Fannys Urteil für seine Kompositionen entscheidend war.
Die Ambivalenz: Trotz ihrer engen Bindung war es Felix, der sich jahrelang dagegen aussprach, dass Fanny ihre Werke veröffentlichte, da er um ihren Ruf als “anständige” Frau der Gesellschaft fürchtete. Dennoch veröffentlichte er sechs ihrer Lieder unter seinem eigenen Namen, damit sie zumindest gehört werden konnten.
Die Eltern: Abraham und Lea Mendelssohn
Lea Mendelssohn (geb. Salomon): Fannys Mutter war selbst eine hochbegabte Pianistin und Schülerin eines Bach-Schülers (Kirnberger). Sie war es, die das Talent ihrer Kinder entdeckte und förderte. Sie gab Fanny den ersten Klavierunterricht und legte den Grundstein für die Bach-Tradition in der Familie.
Abraham Mendelssohn: Der Bankier und Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn unterstützte die Ausbildung seiner Kinder finanziell und ideell, zog aber eine strikte Grenze zwischen dem “Beruf” (für Felix) und der “Zierde” (für Fanny). Er prägte den berühmten Satz, dass Musik für Fanny nur “Begleitung” ihres Lebens sein dürfe.
Die Vorfahren und die Bach-Tradition
Moses Mendelssohn: Fannys Großvater war der berühmte Philosoph der Aufklärung. Er war zwar kein Musiker, aber sein Streben nach Bildung und Emanzipation schuf das geistige Fundament der Familie.
Bella Salomon (Großmutter) und Sara Levy (Großtante): Diese Frauen waren entscheidend für Fannys musikalische DNA. Sara Levy war eine begnadete Cembalistin, die direkt bei den Söhnen von J.S. Bach (Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel) gelernt hatte. Sie sammelte Bach-Manuskripte zu einer Zeit, als Bach fast vergessen war. Ohne diese Frauen hätte es die berühmte Bach-Renaissance der Mendelssohn-Geschwister wohl nie gegeben.
Die Schwester und der Ehemann
Rebecka Mendelssohn: Fannys jüngere Schwester war ebenfalls musikalisch begabt und besaß eine wunderschöne Stimme. Sie sang oft in Fannys Sonntagsmusiken und war ein wichtiger Teil des häuslichen Ensembles.
Wilhelm Hensel: Fannys Ehemann war zwar kein Musiker, sondern Hofmaler, spielte aber eine entscheidende musikalische Rolle als Unterstützer. Im Gegensatz zu ihrem Vater und Bruder drängte er Fanny dazu, ihre Werke zu komponieren und schließlich auch zu veröffentlichen. Er illustrierte ihre Notenblätter (wie beim Zyklus Das Jahr) und schuf so eine Verbindung zwischen Bild und Ton.
Beziehungen zu Komponisten
Fanny Mendelssohn Hensels Leben war zwar räumlich oft auf Berlin beschränkt, doch durch ihren familiären Hintergrund und ihre berühmten „Sonntagsmusiken“ stand sie im Zentrum eines der dichtesten musikalischen Netzwerke des 19. Jahrhunderts. Ihre Beziehungen zu anderen Komponisten reichten von tiefer Bewunderung über kollegiale Freundschaft bis hin zu gegenseitiger Beeinflussung.
Felix Mendelssohn Bartholdy: Die Symbiose
Die engste und komplexeste Beziehung bestand zweifellos zu ihrem Bruder. Sie waren füreinander das erste und wichtigste Publikum. Fanny war oft die Erste, die seine Werke sah, und sie sparte nicht mit Kritik. Umgekehrt beeinflusste sie seinen Stil maßgeblich. Ein berühmtes Beispiel ist das Lied „Italien“, das Fanny komponierte, aber unter Felix’ Namen veröffentlicht wurde. Als Felix in London vor Königin Victoria auftrat und sie das Lied als ihr Lieblingsstück bezeichnete, musste er beschämt gestehen, dass es eigentlich aus der Feder seiner Schwester stammte.
Johann Sebastian Bach: Der geistige Mentor
Obwohl Bach bereits 55 Jahre vor ihrer Geburt gestorben war, war die Beziehung zu seinem Werk fast persönlich. Durch ihren Lehrer Carl Friedrich Zelter und ihre Großtante Sara Levy wurde Fanny zur Expertin für Bachs Musik. Sie „korrespondierte“ mit seinen Werken, indem sie seine polyphonen Techniken in ihre eigene moderne Sprache übersetzte. Ohne Fannys fundiertes Wissen und ihre Vorarbeit bei den Sonntagsmusiken wäre die berühmte Wiederaufführung der Matthäus-Passion durch ihren Bruder Felix im Jahr 1829 kaum denkbar gewesen.
Charles Gounod: Der Verehrer in Rom
Während ihrer Italienreise 1839/40 lernte Fanny in Rom den jungen französischen Komponisten Charles Gounod kennen, der damals den Prix de Rome gewonnen hatte. Gounod war von Fannys Talent und ihrem Wissen vollkommen hingerissen. In seinen Memoiren beschrieb er sie als eine Frau von „seltenen Gaben“ und „überlegenem Geist“. Es war Fanny, die Gounod mit der deutschen Musik von Bach und Beethoven vertraut machte, was seinen eigenen Stil nachhaltig beeinflusste. Für Fanny wiederum war Gounods grenzenlose Bewunderung ein entscheidender Anstoß, ihre eigene Identität als Komponistin ernster zu nehmen.
Clara und Robert Schumann: Respektvolle Distanz
Die Beziehung zu den Schumanns war von gegenseitiger fachlicher Hochachtung geprägt. Clara Schumann, die selbst als Wunderkind und Pianistin Weltruhm erlangte, besuchte Fannys Konzerte in Berlin. Clara notierte in ihrem Tagebuch, wie sehr sie Fannys meisterhaftes Spiel bewunderte. Robert Schumann hingegen hatte ein eher ambivalentes Verhältnis zu komponierenden Frauen, schätzte aber Fannys Lieder und veröffentlichte positive Rezensionen über die wenigen Werke, die zu ihren Lebzeiten im Druck erschienen.
Franz Liszt: Der irritierende Virtuose
Franz Liszt, der Inbegriff des romantischen Virtuosen, war Gast in Fannys Salon. Die Beziehung war respektvoll, aber Fanny stand seinem exzentrischen und oft effekthascherischen Stil eher skeptisch gegenüber. Dennoch schätzte Liszt ihr Können am Klavier sehr. Diese Begegnungen verdeutlichen Fannys Stellung: Sie war keine Randfigur, sondern eine Instanz, deren Anerkennung selbst ein Weltstar wie Liszt suchte.
Ignaz Moscheles: Der Lehrer und Freund
Der berühmte Komponist und Pianist Ignaz Moscheles war ein enger Freund der Familie und gab Fanny und Felix zeitweise Unterricht. Er betrachtete Fanny zeitlebens als eine der begabtesten Musikerinnen seiner Zeit. Ihr Briefwechsel zeugt von einem tiefen fachlichen Austausch über Klaviertechnik und Kompositionslehre.
Fanny Mendelssohn Hensel war somit keineswegs eine isolierte Amateurin. Sie war eine zentrale Ansprechpartnerin der musikalischen Elite. Während Männer wie Gounod oder ihr Bruder Felix die öffentliche Bühne besetzten, war Fanny oft diejenige, die im Hintergrund die intellektuellen und ästhetischen Fäden zog.
Beziehung zu Felix Mendelssohn
Die Beziehung zwischen Fanny und Felix Mendelssohn war eine der intensivsten, produktivsten und zugleich komplexesten Geschwisterbeziehungen der Musikgeschichte. Sie war geprägt von bedingungsloser Liebe, künstlerischer Abhängigkeit und den schmerzhaften Grenzen der damaligen Rollenbilder.
Eine künstlerische Symbiose
Von Kindheit an waren die beiden unzertrennlich. Sie erhielten die exakt gleiche musikalische Ausbildung, was für ein Mädchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts höchst ungewöhnlich war. Diese gemeinsame Basis schuf eine Art „musikalische Zwillingsschaft“. Sie entwickelten eine Geheimsprache in Tönen und nannten sich gegenseitig ihre „Minerva“ – nach der römischen Göttin der Weisheit.
Felix gestand zeitlebens, dass Fanny seine wichtigste Kritikerin war. Er schickte ihr fast jede Partitur vor der Veröffentlichung zu und bat um ihr Urteil. Ohne ihr „Imprimatur“ fühlte er sich oft unsicher. Fanny wiederum lebte ihre eigene kompositorische Leidenschaft durch ihren Bruder aus, da ihr der Weg in die Öffentlichkeit versperrt blieb.
Das Dilemma der Veröffentlichung
Hier lag der schmerzhafteste Punkt ihrer Beziehung. Felix war ein Weltstar und stand voll im Licht der Öffentlichkeit. Obwohl er Fannys Talent bewunderte, teilte er die Ansicht seines Vaters: Eine Frau ihres Standes durfte keine professionelle Karriere anstreben. Er befürchtete, dass eine Veröffentlichung ihrer Werke ihre gesellschaftliche Stellung gefährden könnte.
Dennoch gab es einen Kompromiss: Felix veröffentlichte einige von Fannys Liedern (insgesamt sechs) unter seinem eigenen Namen in seinen Sammlungen (op. 8 und op. 9). Dies führte zu der berühmten Anekdote bei Königin Victoria: Als diese ihm ein Kompliment für das Lied Italien machte und es für ihn sang, musste Felix gestehen, dass das Stück eigentlich von seiner Schwester stammte.
Der Weg zur Emanzipation
In den 1840er Jahren begann das Gleichgewicht der Beziehung zu schwanken. Fanny, bestärkt durch ihren Ehemann Wilhelm Hensel, verspürte einen immer stärkeren Drang, ihre Musik unter eigenem Namen herauszugeben. Felix reagierte darauf zunächst mit Schweigen oder höflicher Ablehnung.
Erst 1846 kam es zum entscheidenden Bruch mit dieser Tradition: Fanny informierte Felix, dass sie einen Verleger gefunden hatte. Felix gab schließlich seinen Widerstand auf und schrieb ihr einen formellen, fast unterkühlten Brief, in dem er ihr seinen „beruflichen Segen“ gab. Es war ein später Sieg für Fanny, den sie jedoch nur kurz genießen konnte.
Tod und Nachklang
Das Ende ihrer Beziehung war ebenso dramatisch wie ihre Verbindung tief war. Als Fanny im Mai 1847 völlig unerwartet während einer Musikprobe starb, brach für Felix eine Welt zusammen. Der Verlust seiner „anderen Hälfte“ stürzte ihn in eine tiefe Depression, von der er sich nicht mehr erholte. Er komponierte als Reaktion sein erschütterndes Streichquartett in f-Moll op. 80 – ein Requiem für Fanny. Nur sechs Monate später starb auch Felix, im selben Alter wie sie, ebenfalls an einem Schlaganfall.
Zusammenfassend kann man sagen: Felix war Fannys Brücke zur Welt, aber gleichzeitig auch ihr Käfigwärter. Ohne einander wären beide nicht die Musiker geworden, die sie waren.
Ähnliche Komponisten
Wenn man nach Komponisten sucht, die Fanny Mendelssohn Hensel ähneln, muss man zwei Aspekte berücksichtigen: die musikalische Ästhetik (Stil, Harmonie, Form) und die biografischen Umstände (Frauen in einer männlich dominierten Musikwelt).
Hier sind Komponisten, die ihr in unterschiedlicher Weise nahestehen:
1. Felix Mendelssohn Bartholdy (Die engste stilistische Verwandtschaft)
Kein Komponist ähnelt ihr musikalisch mehr als ihr Bruder Felix. Da sie die gleiche Ausbildung erhielten und ihre Werke gegenseitig korrigierten, teilen sie eine gemeinsame Klangsprache.
Ähnlichkeit: Die Vorliebe für klare, klassische Formen, die mit romantischem Gefühl gefüllt werden, sowie die Meisterschaft in der Polyphonie (Bach-Einfluss).
Unterschied: Fannys Musik gilt oft als harmonisch kühner und experimenteller, während Felix eher zur formalen Perfektion und Eleganz neigte.
2. Clara Schumann (Die zeitgenössische Partnerin im Geiste)
Clara Schumann ist die wohl naheliegendste Parallele, wenn es um die Rolle der Frau in der Romantik geht.
Ähnlichkeit: Beide waren herausragende Pianistinnen, die das Klavier ins Zentrum ihres Schaffens stellten. Wie Fanny komponierte Clara tiefgründige Lieder und anspruchsvolle Kammermusik (z. B. ihr berühmtes Klaviertrio in g-Moll).
Unterschied: Während Clara als reisende Virtuosin im Licht der Öffentlichkeit stand, wirkte Fanny im privaten Salon. Claras Stil ist oft etwas herber und orientiert sich stark an Robert Schumann und Johannes Brahms.
3. Robert Schumann (Die poetische Verbindung)
In der Intensität des Ausdrucks und der Liebe zum „Charakterstück“ für Klavier weisen Fanny und Robert Schumann Gemeinsamkeiten auf.
Ähnlichkeit: Beide waren Meister darin, literarische Stimmungen in Musik zu übersetzen. Fannys Zyklus Das Jahr atmet denselben Geist wie Schumanns Zyklen (Papillons oder Carnaval). Ihre Harmonik ist oft ähnlich rastlos und sehnsuchtsvoll.
4. Johannes Brahms (Der Sinn für Struktur)
Obwohl Brahms einer späteren Generation angehörte, gibt es eine tiefe geistige Verwandtschaft in der Art, wie beide mit der Tradition umgingen.
Ähnlichkeit: Die tiefe Verehrung für J.S. Bach und die barocken Formen. Wie Fanny nutzte Brahms kontrapunktische Techniken nicht als bloße Übung, sondern als Mittel zur emotionalen Verdichtung. Fannys Spätwerk, wie ihr Klaviertrio, nimmt teilweise die dichte Textur und die ernste Grundstimmung vorweg, die man später bei Brahms findet.
5. Louise Farrenc (Die strukturelle Zeitgenossin)
Die Französin Louise Farrenc war eine Zeitgenossin Fannys, die ähnliche Barrieren durchbrach.
Ähnlichkeit: Farrenc komponierte in den „großen“ Gattungen wie Sinfonien und Kammermusik, die Frauen damals eigentlich nicht zugetraut wurden. Ihr Stil ist ebenfalls fest im Wiener Klassizismus verwurzelt, aber romantisch erweitert – ganz ähnlich wie Fannys kompositorischer Ansatz.
6. Gabriel Fauré (Der lyrische Nachfahre)
Obwohl er viel später wirkte, erinnert die harmonische Eleganz und die feine Liedkunst von Fauré an Fannys beste Momente.
Ähnlichkeit: Die fließenden Klavierbegleitungen und die Gabe, eine Melodie fast unendlich scheinen zu lassen, ohne dass sie an Spannung verliert. Fannys „Lieder ohne Worte“ sind geistige Vorfahren von Faurés Barcarolles und Nocturnes.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie Fanny Mendelssohn Hensel mögen, werden Sie in der Musik ihres Bruders Felix die größte Vertrautheit finden, in Clara Schumann die emotionale Tiefe und bei Brahms die strukturelle Ernsthaftigkeit.
Beziehungen
Da Fanny Mendelssohn Hensel die öffentliche Konzertbühne kaum betreten durfte, konzentrierten sich ihre direkten beruflichen Kontakte zu Musikern, Solisten und Ensembles auf den Rahmen ihrer Sonntagsmusiken. Hier agierte sie jedoch als hochprofessionelle Leiterin und Partnerin, die mit der Elite der damaligen Zeit zusammenarbeitete.
1. Zusammenarbeit mit Berufsorchestern
Obwohl ihre Konzerte im privaten Gartensaal stattfanden, waren die ausführenden Musiker oft keine Amateure.
Musiker des Königstädtischen Theaters: Für größere Aufführungen, wie etwa die von ihr dirigierte Cholera-Kantate oder Werke ihres Bruders, engagierte Fanny professionelle Instrumentalisten aus den Berliner Orchestern. Sie agierte dabei als Dirigentin, die diese Profis koordinierte und leitete – eine absolute Ausnahmeerscheinung für eine Frau in den 1830er Jahren.
Orchesterdisziplin: Zeitgenossen berichteten, dass sie eine sehr bestimmte und autoritäre Art der Leitung hatte. Sie war keine “Hobbymusikerin”, sondern forderte von den Profimusikern höchste Präzision ein.
2. Beziehungen zu Solisten und Virtuosen
In ihrem Salon empfing und begleitete sie einige der bedeutendsten Interpreten ihrer Epoche:
Joseph Joachim: Der damals noch sehr junge Geigenvirtuose trat in ihrem Salon auf. Die Verbindung zu Joachim war eng, da er später einer der engsten Freunde von Felix wurde. Fanny erkannte früh sein außergewöhnliches Talent.
Therese Behr-Schnabel (und andere Sängerinnen): Fanny arbeitete ständig mit professionellen Sängerinnen zusammen, um ihre über 250 Lieder aufzuführen. Sie fungierte dabei nicht nur als Komponistin, sondern als Korrepetitorin und Klavierbegleiterin, die genaueste Vorstellungen von Phrasierung und Ausdruck hatte.
Violoncellisten: Da sie bedeutende Werke für Cello und Klavier schrieb (z. B. die Fantasia), stand sie im Austausch mit Cellisten der Berliner Hofkapelle, die diese anspruchsvollen Stücke gemeinsam mit ihr erarbeiteten.
3. Leitung von Chören
Eines ihrer wichtigsten Standbeine war die Arbeit mit Vokalensembles.
Der Hauschor: Fanny leitete einen festen Chor aus etwa 20 bis 30 Sängern, der sich regelmäßig bei ihr traf. Sie war hier nicht nur die Dirigentin, sondern auch die Stimmbildnerin und musikalische Leiterin. Für diesen Chor schrieb sie ihre „Gartenlieder“, die sie im Park des Anwesens probte.
Die Sing-Akademie zu Berlin: Über ihren Lehrer Zelter war sie eng mit diesem berühmten Chor verbunden. Obwohl sie dort nicht offiziell angestellt war, nutzte sie die Kontakte zu den dortigen Sängern, um hochkarätige Besetzungen für ihre eigenen Aufführungen zu gewinnen.
4. Pädagogische Kontakte und Schüler
In ihrem Umfeld agierte Fanny auch als Mentorin. Sie unterrichtete zwar nicht öffentlich für Geld, gab aber talentierten Musikern aus ihrem Umkreis entscheidende Impulse. Sie fungierte als Coach für Musiker, die sich auf Aufführungen vorbereiteten, und vermittelte ihnen ihr tiefes Verständnis der Werke von Bach und Beethoven.
5. Begegnungen mit Instrumentenbauern
Als Pianistin auf höchstem Niveau hatte Fanny eine direkte Beziehung zur Entwicklung des Klaviers. Sie stand im Austausch mit Berliner Klavierbauern und achtete penibel auf die Qualität der Flügel in ihrem Haus, da diese den Kern ihrer Sonntagsmusiken bildeten. Ihr Spiel erforderte Instrumente, die sowohl die zarte Lyrik ihrer Lieder als auch die orchestrale Wucht ihrer Sonaten tragen konnten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Fanny war für die Berliner Musikerwelt eine Arbeitgeberin und künstlerische Partnerin. Profimusiker kamen zu ihr, weil das künstlerische Niveau ihrer “privaten” Konzerte oft höher war als das der offiziellen städtischen Programme.
Beziehungen zu Nicht-Musikern
Fanny Mendelssohn Hensels Leben war weit mehr als reine Musik; sie war eine zentrale Figur in der Berliner Hochkultur und pflegte intensive Kontakte zu den führenden Köpfen aus Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Politik. In ihrem Salon trafen sich die „Geistesgrößen“ ihrer Zeit, wobei sie nicht nur Gastgeberin, sondern eine geschätzte Gesprächspartnerin war.
Hier sind ihre wichtigsten Beziehungen zu Nicht-Musikern:
Wilhelm Hensel (Ehemann und Maler)
Die wichtigste Beziehung außerhalb der Musik war die zu ihrem Mann, dem Berliner Hofmaler Wilhelm Hensel. Er war ihr wichtigster Förderer und derjenige, der ihr künstlerisches Selbstbewusstsein am stärksten stützte.
Künstlerische Symbiose: Wilhelm erkannte im Gegensatz zu Fannys Vater und Bruder ihr Genie voll an. Er ermutigte sie zum Komponieren und zum Veröffentlichen ihrer Werke.
Zusammenarbeit: Er illustrierte ihre Notenmanuskripte (wie den Zyklus Das Jahr) mit feinen Zeichnungen und Vignetten. Die beiden führten eine Ehe auf Augenhöhe, in der sie sich gegenseitig über ihre Fortschritte in Malerei und Musik austauschten.
Alexander von Humboldt (Naturforscher)
Der berühmte Universalgelehrte war ein regelmäßiger Gast in Fannys Haus und ein enger Freund der Familie.
Intellektueller Austausch: Fanny bewunderte Humboldt zutiefst. Sie war eine der wenigen Personen, die seinen komplexen Vorträgen über die physische Weltbeschreibung (den späteren „Kosmos“-Vorlesungen) mit echtem Verständnis folgte.
Wissenschaftliche Neugier: In ihren Briefen und Tagebüchern zeigt sich, dass Fanny großes Interesse an seinen Entdeckungen hatte. Er wiederum schätzte ihre Intelligenz und die kultivierte Atmosphäre ihres Salons, in dem er oft die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse diskutierte.
Karl August Varnhagen von Ense und Rahel Varnhagen
Das Ehepaar Varnhagen leitete einen der berühmtesten literarischen Salons Berlins.
Literarische Vernetzung: Fanny stand in engem Kontakt zu Rahel Varnhagen, einer der bedeutendsten jüdischen Intellektuellen der Epoche. Durch sie war Fanny in ein Netzwerk eingebunden, das sich für die Emanzipation und die Aufklärung einsetzte. Nach Rahels Tod blieb Fanny mit Karl August verbunden, der ein wichtiger Chronist der Berliner Gesellschaft war.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (Philosoph)
Der einflussreichste Philosoph seiner Zeit war ebenfalls ein Gast der Mendelssohns.
Philosophische Debatten: Fanny erlebte Hegel bei den Sonntagsmusiken und bei Tischgesprächen. Obwohl sie seine oft komplizierte Ausdrucksweise gelegentlich mit leisem Humor in ihren Briefen kommentierte, prägte der hegelianische Geist des kritischen Denkens und der Suche nach dem „Absoluten“ die intellektuelle Tiefe ihrer eigenen Weltsicht.
Heinrich Heine (Dichter)
Der junge Heine war in seiner Berliner Zeit oft bei den Mendelssohns zu Gast.
Vom Gast zum Textlieferanten: Fanny beschrieb Heine als einen scharfzüngigen, aber faszinierenden Charakter. Obwohl sie seine Persönlichkeit manchmal als schwierig empfand, war sie von seiner Lyrik tief beeindruckt. Sie nutzte seine Gedichte als Vorlagen für viele ihrer Lieder und schaffte so eine direkte Verbindung zwischen seiner Poesie und ihrer Musik.
Die Familie (Emanzipation und Bürgertum)
Abraham Mendelssohn (Vater): Ihre Beziehung zu ihm war geprägt von Respekt, aber auch von der schmerzhaften Akzeptanz seiner patriarchalen Grenzen. Er sah sie primär in der Rolle der Hausfrau und Mutter.
Moses Mendelssohn (Großvater): Obwohl er vor ihrer Geburt starb, blieb sein Erbe der Aufklärung und der Toleranz durch seine Schriften in ihrem Leben präsent. Sie sah sich als Erbin seines humanistischen Weltbildes.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fanny Mendelssohn Hensel eine Brückenbauerin zwischen den Disziplinen war. Für die Wissenschaftler und Philosophen war sie nicht nur „die Schwester des Musikers“, sondern eine hochgebildete Frau, die die ästhetischen und intellektuellen Strömungen ihrer Zeit präzise analysieren und reflektieren konnte.
Bedeutende Klaviersolowerke
Das Klavier war für Fanny Mendelssohn Hensel das unmittelbarste Ausdrucksmittel. Da sie eine Virtuosin ersten Ranges war, spiegeln ihre Solowerke die gesamte Bandbreite ihres Könnens wider – von intimen lyrischen Momenten bis hin zu technisch höchst anspruchsvollen, fast orchestralen Strukturen.
Hier sind ihre bedeutendsten Klaviersolowerke:
Das Jahr (1841)
Dies ist zweifellos ihr Hauptwerk und ein Meilenstein der romantischen Programmmusik. Der Zyklus besteht aus 12 Charakterstücken, die jeweils einem Monat gewidmet sind, sowie einem abschließenden „Nachspiel“.
Bedeutung: Es ist eine musikalische Chronik ihrer Italienreise. Jedes Stück fängt eine spezifische Stimmung oder ein Ereignis ein (z. B. das Glockengeläut in „März“ oder die Hitze im „Juli“).
Besonderheit: Das Originalmanuskript war auf farbigem Papier geschrieben und mit Illustrationen ihres Mannes Wilhelm Hensel sowie begleitenden Gedichtzeilen versehen. Es ist ein frühes Beispiel für ein multimediales Gesamtkunstwerk.
Lieder ohne Worte
Zusammen mit ihrem Bruder Felix entwickelte Fanny dieses Genre weiter. Es handelt sich um Klavierstücke, die eine gesangliche Melodie über eine oft bewegte Begleitung legen.
Stil: Ihre Lieder ohne Worte (veröffentlicht unter anderem in op. 2, op. 6 und op. 8) sind oft komplexer und harmonisch gewagter als die ihres Bruders. Sie experimentiert hier mit kühnen Modulationen und einer sehr dichten Textur.
Bekannte Beispiele: Das Lied in As-Dur (op. 2, Nr. 1) oder das leidenschaftliche g-Moll-Stück (op. 6, Nr. 2).
Klaviersonaten
Obwohl das Genre der Sonate in der Romantik gegenüber dem Charakterstück etwas in den Hintergrund trat, hinterließ Fanny bedeutende Beiträge, die ihre Beherrschung der großen Form beweisen.
Sonate in g-Moll (1843): Ein Werk von großer dramatischer Wucht, das fast wie eine Sinfonie für das Klavier wirkt. Sie zeigt hier ihre Fähigkeit, Themen über weite Strecken zu entwickeln.
Sonate in c-Moll (1824): Ein frühes Werk, das noch stark unter dem Einfluss von Ludwig van Beethoven steht, aber bereits ihre eigene, leidenschaftliche Tonsprache erkennen lässt.
Ostersonate (1828)
Dieses Werk hat eine besonders spannende Geschichte: Es galt über 150 Jahre lang als verschollen und wurde nach seiner Wiederentdeckung im Jahr 1970 zunächst irrtümlich ihrem Bruder Felix zugeschrieben.
Wiederentdeckung: Erst im Jahr 2010 konnte durch akribische Forschung zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Fanny die Komponistin ist. Es ist ein groß angelegtes, technisch extrem schwieriges Werk, das Fannys geniale Beherrschung der Fuge und des Kontrapunkts zeigt.
Vier Lieder für das Pianoforte (op. 2)
Diese Sammlung war eines der ersten Werke, die Fanny kurz vor ihrem Tod unter ihrem eigenen Namen veröffentlichte.
Charakter: Die Stücke zeigen ihre Reife. Besonders das zweite Stück, oft „Notturno“ genannt, ist ein Beispiel für ihre Fähigkeit, nächtliche, sehnsuchtsvolle Stimmungen ohne Worte perfekt einzufangen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fannys Klavierwerk den Übergang von der klassischen Form (Sonate) zum romantischen Stimmungsbild (Lied ohne Worte, Das Jahr) perfekt verkörpert. Ihre Musik fordert den Spieler nicht nur technisch, sondern verlangt ein tiefes Verständnis für die gesangliche Linienführung.
Bedeutende Kammermusik
In der Kammermusik zeigte Fanny Mendelssohn Hensel ihre ganze kompositorische Souveränität. Während das Lied und das Klavierstück oft als „weibliche“ Genres abgetan wurden, wagte sie sich in der Kammermusik an die anspruchsvollsten Formen der Musikgeschichte, die damals als Domäne der männlichen Komponisten galten.
Hier sind ihre bedeutendsten Kammermusikwerke:
Klaviertrio in d-Moll, op. 11 (1846/47)
Dieses Trio für Klavier, Violine und Violoncello ist zweifellos ihr kammermusikalisches Meisterwerk. Es entstand in ihrem letzten Lebensjahr und wurde erst nach ihrem Tod veröffentlicht.
Charakter: Das Werk ist von einer enormen Leidenschaft und dramatischen Wucht geprägt, die den Vergleich mit den Trios von Felix Mendelssohn oder Robert Schumann nicht scheuen muss. Besonders der erste Satz ist von einer rastlosen Energie durchzogen.
Besonderheit: Der dritte Satz trägt den Titel „Lied“ und erinnert an ihre berühmten Klavierstücke. Hier zeigt sie, wie man ein intimes lyrisches Thema in den Rahmen eines großen Kammermusikwerks integriert. Es gilt heute als eines der wichtigsten Klaviertrios der Romantik.
Streichquartett in Es-Dur (1834)
Dass Fanny ein Streichquartett schrieb, war für die damalige Zeit eine kleine Sensation, da dieses Genre als die „Königsdisziplin“ der Komposition galt und Frauen fast völlig davon ausgeschlossen waren.
Stil: Das Quartett ist formal sehr innovativ. Anstatt der klassischen viersätzigen Struktur beginnt es mit einem sehr freien, fast improvisatorischen ersten Satz.
Bedeutung: Lange Zeit wurde das Werk unterschätzt, doch heute erkennt man darin ihre tiefe Auseinandersetzung mit den späten Streichquartetten Beethovens. Es beweist, dass sie die komplexe Verwebung von vier gleichberechtigten Streichinstrumenten meisterhaft beherrschte.
Klavierquartett in As-Dur (1822)
Dies ist ein beeindruckendes Frühwerk, das sie im Alter von nur 17 Jahren komponierte.
Einfluss: Man hört hier deutlich die Einflüsse ihrer klassischen Ausbildung. Es ist klar strukturiert, elegant und zeigt bereits ihren virtuosen Umgang mit dem Klavierpart, der das Ensemble anführt.
Stellenwert: Es ist ein Zeugnis ihres frühen Genies und zeigt, dass sie bereits als Jugendliche in der Lage war, großformatige Besetzungen sicher zu handhaben.
Adagio für Violine und Klavier (1823)
Dieses Werk ist ein wunderbares Beispiel für ihre lyrische Begabung. Es ist kein technisch überladenes Bravourstück, sondern ein tief empfundenes Zwiegespräch zwischen den beiden Instrumenten. Die Violine übernimmt hier die Rolle der menschlichen Stimme, ganz im Sinne ihrer Lieder.
Werke für Violoncello und Klavier
Fanny hatte eine besondere Vorliebe für den tiefen, melancholischen Klang des Cellos.
Fantasia in g-Moll: Ein einsätziges, freies Werk, das die klanglichen Möglichkeiten des Cellos voll ausschöpft.
Capriccio in As-Dur: Ein lebhaftes, technisch anspruchsvolles Stück, das den dialogischen Charakter zwischen Klavier und Cello betont.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fanny Mendelssohn Hensel in der Kammermusik ihre intellektuelle Stärke bewies. Ihre Werke sind keine gefällige Salonmusik, sondern komplexe, ernsthafte Kompositionen, die eine enorme formale Sicherheit und emotionale Tiefe besitzen. Besonders das Klaviertrio in d-Moll ist heute fester Bestandteil des Konzertrepertoires namhafter Ensembles.
Bedeutende Orchesterwerke
Da Fanny Mendelssohn Hensel gesellschaftlich bedingt primär für den privaten Rahmen des Salons und der „Sonntagsmusiken“ komponierte, ist ihr Katalog an reinen Orchesterwerken im Vergleich zu ihrem Lied- und Klavierschaffen schmal. Dennoch beweisen die wenigen erhaltenen Stücke, dass sie die Instrumentation und die großen Formen des Orchesters absolut souverän beherrschte.
Hier sind ihre bedeutendsten Orchesterwerke:
1. Ouvertüre in C-Dur (ca. 1832)
Dies ist Fannys einziges rein instrumentales Werk für ein volles Orchester.
Charakter: Die Ouvertüre ist im klassischen Stil gehalten, erinnert in ihrer Frische und Eleganz an Mozart oder den frühen Beethoven, weist aber bereits die romantische Farbigkeit auf, die auch für ihren Bruder Felix typisch war.
Struktur: Sie beginnt mit einer langsamen, feierlichen Einleitung, gefolgt von einem lebhaften, energetischen Hauptteil (Allegro). Das Werk zeigt, dass Fanny fähig war, über die kleinteiligen Strukturen des Liedes hinaus in großen, orchestralen Spannungsbögen zu denken.
2. Oratorium nach Bildern der Bibel (1831)
Dieses Werk, oft auch einfach als „Musik für die Toten der Cholera-Epidemie“ oder „Cholera-Kantate“ bezeichnet, ist ihre umfangreichste Komposition für Soli, Chor und Orchester.
Anlass: Es entstand unter dem Eindruck der großen Cholera-Epidemie in Berlin.
Bedeutung: Das Oratorium ist ein monumentales Zeugnis ihrer kompositorischen Reife. Fanny verbindet hier ihre Liebe zur barocken Polyphonie (Bachs Einfluss) mit der dramatischen Wucht der Romantik. Besonders die Chorpassagen und die orchestrale Begleitung sind von einer Ernsthaftigkeit und Tiefe, die weit über das hinausgingen, was man Frauen in der Musik damals zutraute.
3. „Hiob“ (Kantate) (1831)
Ein weiteres bedeutendes Werk für Soli, Chor und Orchester.
Stil: In dieser Kantate verarbeitet Fanny biblische Texte. Die orchestrale Besetzung dient hier dazu, die emotionalen Zustände der biblischen Figur Hiob – von tiefer Verzweiflung bis hin zu gläubigem Vertrauen – klanglich zu verstärken.
4. „Lobgesang“ (Kantate) (1831)
Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Sinfoniekantate ihres Bruders Felix.
Inhalt: Geschrieben anlässlich des ersten Geburtstags ihres Sohnes Sebastian. Es ist ein festliches Werk für Solostimmen, Chor und Orchester. Hier zeigt sich ihre Fähigkeit, Orchestrierung für freudige, lichtvolle Anlässe einzusetzen, wobei sie das Orchester oft als farbenprächtige Stütze für den Gesang nutzt.
5. Hero und Leander (1832)
Hierbei handelt es sich um eine dramatische Szene für Sopran und Orchester nach einem Text von Schiller.
Besonderheit: Obwohl es formal eine Kantate für eine Solostimme ist, wird das Orchester hier fast wie in einer Opernszene eingesetzt. Die Instrumentierung malt das tosende Meer und die Tragik der Geschichte plastisch nach. Es ist eines der Werke, in denen Fanny der Gattung der Oper am nächsten kam.
Zusammenfassung der orchestralen Arbeit
Fannys Orchesterwerke entstanden fast alle in einer kurzen, hochproduktiven Phase um das Jahr 1831/32. Da sie keine Möglichkeit hatte, diese Werke in öffentlichen Sinfoniekonzerten aufzuführen, blieben sie meist auf die Aufführungen in ihrem eigenen „Gartensaal“ beschränkt. Dennoch belegen sie, dass ihre musikalische Vision nicht am Klavier endete, sondern den vollen Klangapparat eines Orchesters umfasste.
Weitere Bedeutende Werke
Abgesehen von ihren Instrumentalwerken liegt der größte Schatz von Fanny Mendelssohn Hensels Schaffen in der Vokalmusik. Hier zeigt sich ihre besondere Gabe, Lyrik in Klang zu verwandeln, wobei sie ein Spektrum von intimen Sololiedern bis hin zu monumentalen Chorwerken abdeckte.
Das Liedschaffen für Singstimme und Klavier
Mit über 250 Liedern ist dies ihr umfangreichster Werkkomplex. Fanny gilt heute als eine der bedeutendsten Liedkomponistinnen der Romantik. Ihre Lieder zeichnen sich durch eine perfekte Balance zwischen der Singstimme und einem oft sehr anspruchsvollen, erzählenden Klavierpart aus. Besonders hervorzuheben sind ihre Vertonungen von Texten von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Joseph von Eichendorff. Ein bekanntes Beispiel ist das Lied “Italien” (nach einem Text von Grillparzer), das so authentisch den „Mendelssohn-Stil“ verkörpert, dass sogar Königin Victoria es für ein Werk ihres Bruders Felix hielt. Ein weiteres Juwel ist der Zyklus “Sechs Lieder für eine Stimme mit Begleitung des Pianoforte” (op. 1), das erste Werk, das sie offiziell unter eigenem Namen veröffentlichte.
Die Gartenlieder (op. 3)
Diese Sammlung von sechs Liedern für vierstimmigen gemischten Chor (Sopran, Alt, Tenor, Bass) ist eines ihrer charmantesten Werke. Sie waren ursprünglich für die Aufführung im Freien gedacht – im weitläufigen Park des Mendelssohn’schen Anwesens. Stücke wie “Hörst du den Vogel singen” oder “Im Wald” fangen die Naturstimmung der Romantik perfekt ein. Diese Werke sind ein früher Beleg für die Gattung des weltlichen Chorliedes, das ohne Instrumentalbegleitung (a cappella) auskommt und eine intime, gesellige Atmosphäre schafft.
Geistliche Kantaten und Chorwerke
In ihren geistlichen Werken zeigt Fanny eine beeindruckende kompositorische Strenge und Tiefe, die stark von ihrem Studium der Musik Johann Sebastian Bachs geprägt ist.
Die “Hiob-Kantate” (1831): Geschrieben für Soli, Chor und Orchester (hier primär als Vokalwerk mit Begleitung zu betrachten). Sie verarbeitet darin die dramatische biblische Geschichte des leidenden Hiob.
Die “Cholera-Kantate” (1831): Dieses Werk für Soli und achtstimmigen Chor entstand unter dem Eindruck der Berliner Epidemie. Es ist ein erschütterndes Zeugnis von Klage und Gottvertrauen.
“Lobgesang” (1831): Eine festliche Kantate für Solostimmen und Chor, die sie zur Feier des ersten Geburtstages ihres Sohnes Sebastian komponierte.
Dramatische Szenen
Fanny wagte sich auch an dramatische, fast opernhafte Formen heran. Ein bedeutendes Beispiel ist “Hero und Leander” (1832). Dies ist eine dramatische Szene für eine Solostimme (Sopran) mit Begleitung. Basierend auf dem antiken Mythos und einem Text von Friedrich Schiller, nutzt Fanny die menschliche Stimme hier als Instrument für extreme Emotionen – von sehnsüchtiger Erwartung bis hin zur tragischen Verzweiflung. Es ist eines der Werke, die am deutlichsten zeigen, dass sie das Talent für die große Bühne und das Musiktheater besessen hätte.
Duette und Terzette
Neben Sololiedern komponierte Fanny zahlreiche Werke für zwei oder drei Singstimmen. Diese Stücke waren oft für den privaten Kreis oder die Sonntagsmusiken bestimmt und bestechen durch ihre kunstvolle Stimmführung. Sie zeigen, wie meisterhaft sie die verschiedenen Klangfarben menschlicher Stimmen miteinander verweben konnte, um eine harmonische Einheit zu bilden.
Anekdoten & Wissenswertes
Fanny Mendelssohn Hensels Leben war reich an bemerkenswerten Momenten, die sowohl ihr Genie als auch die absurden Hürden ihrer Zeit illustrieren. Hier sind einige der faszinierendsten Anekdoten und Fakten:
Das „falsche“ Kompliment von Königin Victoria
Dies ist wohl die berühmteste Geschichte: Bei einem Besuch im Buckingham Palace sang Königin Victoria dem jungen Felix Mendelssohn dessen Lied Italien vor, das sie über alles liebte. Felix musste jedoch mit rotem Kopf gestehen: „Das Lied ist eigentlich von meiner Schwester Fanny.“ Die Königin war beeindruckt, doch für Fanny blieb es ein bittersüßer Moment – ihr Werk wurde weltweit gefeiert, aber unter dem Namen ihres Bruders.
Die „Bach-Fugenfinger“
Schon bei ihrer Geburt im Jahr 1805 soll ihre Mutter Lea beim Blick auf die Hände des Säuglings ausgerufen haben: „Das Kind hat Bach’sche Fugenfinger!“ Es war eine fast prophetische Vorahnung, denn Fanny wurde tatsächlich eine der größten Expertinnen für die damals fast vergessene Musik von Johann Sebastian Bach.
Ein Heiratsantrag mit Geduld
Als der Maler Wilhelm Hensel um Fannys Hand anhielt, war ihre Mutter zunächst skeptisch und verbot den beiden fünf Jahre lang jeglichen Briefkontakt, während Wilhelm in Italien lebte. Wilhelm gab jedoch nicht auf. Er schickte ihr Zeichnungen ohne Text, und Fanny antwortete mit Musik. Diese rein künstlerische Fernbeziehung hielt stand – sie heirateten schließlich 1829. Wilhelm wurde Fannys größter Unterstützer und legte ihr jeden Morgen ein leeres Blatt Notenpapier auf den Flügel, damit sie ihre Ideen sofort notierte.
Das Rätsel der „Ostersonate“
Über 150 Jahre lang wurde ein gewaltiges Klavierwerk, die Ostersonate, Felix Mendelssohn zugeschrieben. Musikwissenschaftler bewunderten die „männliche Kraft“ des Stücks. Erst im Jahr 2010 wurde durch die Entdeckung von Fannys Originalmanuskript zweifelsfrei bewiesen, dass sie die Urheberin war. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie sehr die Qualität ihrer Musik oft nur deshalb dem Bruder zugeordnet wurde, weil man einer Frau solche Komplexität nicht zutraute.
Der „Gartensaal“ als Weltbühne
Fannys Haus in Berlin, in der Leipziger Straße 3, besaß einen riesigen Gartensaal, der bis zu 300 Gäste fasste. Dort fanden ihre berühmten „Sonntagsmusiken“ statt. Es war der einzige Ort in Berlin, an dem man die Musik von Bach, Beethoven und die neuesten Werke der Geschwister Mendelssohn auf höchstem Niveau hören konnte. Für die Berliner Elite war eine Einladung zu Fanny wichtiger als der Besuch der offiziellen Hofkonzerte.
Der Schicksalstag am Klavier
Ihr Tod war so dramatisch wie ihr Leben musikalisch: Am 14. Mai 1847 leitete Fanny eine Probe für ein Werk ihres Bruders. Mitten im Spiel der Ersten Walpurgisnacht versagten ihr plötzlich die Hände. Sie ging kurz in das Nebenzimmer, um sie in Essigwasser zu kühlen, und rief ihren Gästen zu: „Es klingt wunderschön, spielt nur weiter!“ Kurz darauf erlitt sie einen Schlaganfall und starb noch am selben Abend – buchstäblich mit der Musik in den Ohren.
Wussten Sie schon? Fanny komponierte während ihrer Italienreise den Zyklus Das Jahr auf verschiedenfarbigem Papier: Der „März“ war zum Beispiel auf blauem Papier notiert, passend zum Frühlingshimmel.
(Das Schreiben dieses Artikels wurde von Gemini, einem Google Large Language Model (LLM), unterstützt und durchgeführt. Es handelt sich lediglich um ein Referenzdokument zum Entdecken von Musik, die Sie noch nicht kennen. Es kann nicht garantiert werden, dass der Inhalt dieses Artikels vollständig korrekt ist. Bitte überprüfen Sie die Informationen anhand zuverlässiger Quellen.)