Überblick
Clara Schumann (1819–1896) war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. Sie war nicht nur eine gefeierte Wunderkind-Pianistin und Komponistin, sondern auch eine einflussreiche Lehrerin und die treibende Kraft hinter dem Erfolg ihres Ehemanns Robert Schumann.
Hier ist ein Überblick über ihr facettenreiches Leben und Werk:
1. Die frühe Karriere: Das Wunderkind
Clara wurde als Clara Wieck in Leipzig geboren. Ihr Vater, Friedrich Wieck, ein strenger Klavierpädagoge, formte sie nach einem harten Trainingsplan zu einer Virtuosin.
Debüt: Bereits mit 9 Jahren gab sie ihr offizielles Debüt im Leipziger Gewandhaus.
Internationaler Star: In ihren Teenagerjahren tourte sie durch ganz Europa. Mit 18 Jahren wurde sie in Wien zur „kaiserlich königlichen Kammervirtuosin“ ernannt – eine seltene Ehre für eine Ausländerin und eine so junge Frau.
2. Die Ehe mit Robert Schumann
Die Liebesgeschichte zwischen Clara und Robert Schumann ist legendär, aber auch tragisch. Ihr Vater widersetzte sich der Verbindung massiv, was zu einem jahrelangen Rechtsstreit führte. Erst 1840 durften sie heiraten.
Partner auf Augenhöhe: Das Paar führte ein gemeinsames „Ehetagebuch“ und inspirierte sich gegenseitig musikalisch.
Die Last des Alltags: Clara balancierte ihre Karriere als Weltstar mit der Rolle als Mutter von acht Kindern. Sie war oft die Hauptverdienerin der Familie, da Robert zunehmend unter psychischen Problemen litt.
Johannes Brahms: Nach Roberts Einweisung in eine Nervenheilanstalt (1854) und seinem Tod (1856) wurde der junge Johannes Brahms zu ihrem engsten Vertrauten. Die genaue Natur ihrer Beziehung (ob platonisch oder romantisch) ist bis heute Gegenstand von Spekulationen.
3. Die Komponistin
Obwohl sie oft im Schatten ihres Mannes stand und selbst an ihrem Talent zweifelte („Ein Weib muss nicht komponieren wollen“), hinterließ sie ein bedeutendes Werk.
Wichtige Werke:
Klavierkonzert in a-Moll, op. 7: Komponiert im Alter von 14 bis 16 Jahren.
Klaviertrio in g-Moll, op. 17: Gilt als ihr Meisterwerk der Kammermusik.
Lieder: Sie vertonte zahlreiche Gedichte (u. a. von Rückert und Heine), oft als Geburtstagsgeschenke für Robert.
Stil: Ihre Musik zeichnet sich durch harmonische Kühnheit und eine tief empfundene Romantik aus.
4. Vermächtnis und Einfluss
Clara Schumann prägte das moderne Konzertleben nachhaltig:
Auswendigspiel: Sie war eine der ersten Pianistinnen, die Konzerte komplett auswendig spielte, was heute Standard ist.
Repertoire: Sie setzte sich für die Werke von Bach, Beethoven, Chopin und natürlich Robert Schumann und Brahms ein und prägte so den Kanon der klassischen Musik.
Pädagogik: Als Professorin am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt bildete sie eine ganze Generation internationaler Pianisten aus.
Geschichte
Clara Schumanns Leben begann in Leipzig als die Geschichte eines außergewöhnlichen Wunderkindes. Unter der strengen und methodischen Ausbildung ihres Vaters, Friedrich Wieck, entwickelte sie sich so rasant, dass sie bereits mit neun Jahren ihr Debüt im berühmten Gewandhaus gab. Ihr Vater formte sie zielstrebig zur internationalen Virtuosin, was sie in ihren Teenagerjahren auf Tourneen durch ganz Europa führte und ihr in Wien sogar den Titel der kaiserlich-königlichen Kammervirtuosin einbrachte.
In diese Welt des Erfolgs trat Robert Schumann, ein Schüler ihres Vaters. Die Zuneigung, die zwischen den beiden wuchs, stieß jedoch auf den erbitterten Widerstand Friedrich Wiecks. Er sah die Karriere seiner Tochter durch eine Ehe gefährdet. Erst nach einem jahrelangen, zermürbenden Rechtsstreit erstritten sich Clara und Robert die Heiratserlaubnis und gaben sich 1840 das Ja-Wort.
Die Ehejahre waren geprägt von einer tiefen künstlerischen Symbiose, aber auch von enormen Herausforderungen. Während Robert komponierte, balancierte Clara ihre eigene Karriere als Weltstar mit der Erziehung von acht Kindern. Oft war sie es, die durch ihre Konzertreisen den Lebensunterhalt der Familie sicherte. Trotz ihres Talents stellte sie ihr eigenes Komponieren – wie etwa ihr bedeutendes Klaviertrio in g-Moll – häufig hinter das Schaffen ihres Mannes zurück.
Die Tragik in Claras Leben verschärfte sich, als Robert Schumann zunehmend unter psychischen Leiden litt, die schließlich zu seiner Einweisung in eine Heilanstalt und seinem frühen Tod im Jahr 1856 führten. Mit nur 36 Jahren blieb Clara als Witwe zurück und trug fortan die alleinige Verantwortung für ihre sieben überlebenden Kinder. In dieser schweren Zeit fand sie eine lebenslange Stütze in dem jungen Johannes Brahms. Ihre Beziehung war von tiefer Zuneigung und gegenseitigem Respekt geprägt, wobei sie viele ihrer Briefe später vernichteten, um das Private vor der Nachwelt zu schützen.
In ihren späten Lebensjahrzehnten festigte Clara Schumann ihren Ruf als „Hohepriesterin der Musik“. Sie tourte unermüdlich weiter, prägte durch ihr Spiel ohne Noten die moderne Konzertkultur und gab als erste weibliche Professorin am Frankfurter Konservatorium ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1896 blieb sie eine der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit, die Kunst stets als die „Luft, in der sie atmete“, bezeichnete.
Chronologische Geschichte
Die frühen Jahre und das Wunderkind (1819–1839)
Geboren wurde sie am 13. September 1819 als Clara Wieck in Leipzig. Ihr Vater, Friedrich Wieck, übernahm nach der Trennung der Eltern im Jahr 1824 ihre alleinige Erziehung und begann sofort mit einem systematischen, fast unerbittlichen Klavierunterricht. Ihr öffentliches Debüt gab sie bereits 1828 im Leipziger Gewandhaus. In den Folgejahren entwickelte sie sich zum internationalen Star; so ernannte sie der Kaiser in Wien 1838 zur „kaiserlich königlichen Kammervirtuosin“. Während dieser Zeit begann sie auch zu komponieren, unter anderem ihr Klavierkonzert op. 7, das sie bereits mit 16 Jahren vollendete.
Kampf um die Liebe und Ehejahre (1840–1854)
Nach einem jahrelangen Rechtsstreit gegen ihren Vater heiratete sie am 12. September 1840 Robert Schumann. In den folgenden 14 Jahren balancierte sie ein außergewöhnliches Pensum: Sie brachte zwischen 1841 und 1854 acht Kinder zur Welt, während sie gleichzeitig weiterhin Konzertreisen unternahm und bedeutende Werke wie ihr Klaviertrio in g-Moll (1846) schuf. Das Paar zog mehrfach um, von Leipzig nach Dresden (1844) und schließlich nach Düsseldorf (1850), wo Robert die Stelle des Musikdirektors antrat.
Krise und Neubeginn (1854–1878)
Das Jahr 1854 markierte eine Zäsur: Nach Roberts Suizidversuch und seiner Einweisung in eine Nervenheilanstalt stand Clara vor der Aufgabe, die Familie allein zu ernähren. In dieser Zeit festigte sich die Freundschaft zum jungen Johannes Brahms. Nach Roberts Tod im Jahr 1856 gab Clara das Komponieren weitgehend auf und konzentrierte sich ganz auf ihre Karriere als Pianistin und die Herausgabe von Roberts Werken. Sie zog über Berlin nach Baden-Baden (1863), wo sie ein kleines Haus erwarb, das für viele Jahre zum Treffpunkt für Künstler wie Brahms wurde.
Die späten Jahre als Pädagogin (1878–1896)
Im Jahr 1878 wurde sie als erste Frau zur Professorin am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main berufen – eine Position, die sie bis 1892 innehatte. In dieser Phase feierte sie ihre großen Jubiläen (50 und 60 Jahre auf der Bühne) und prägte als Lehrerin Generationen von Musikern. Ihren letzten öffentlichen Auftritt gab sie 1891. Clara Schumann verstarb am 20. Mai 1896 in Frankfurt am Main und wurde, wie sie es sich gewünscht hatte, neben ihrem Mann in Bonn beigesetzt.
Stil(en), Strömung(en) und Epoche(n) der Musik
Clara Schumann war eine zentrale Gestalt der Hochromantik. Ihr Schaffen und Wirken lassen sich nicht in eine einzige Schublade pressen, da sie als Komponistin, Interpretin und Pädagogin unterschiedliche Rollen einnahm.
Epoche und Strömung
Ihre Musik gehört unmissverständlich der Romantik an. Sie lebte und arbeitete in einer Zeit, in der das Gefühl, die subjektive Ausdruckskraft und die Verbindung von Musik und Literatur (wie im Kunstlied) im Vordergrund standen. Innerhalb dieser Epoche war sie eng mit der sogenannten Leipziger Schule verknüpft – einem Kreis um Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy, der für eine poetische, aber formbewusste Romantik stand.
Stil: Traditionell oder Innovativ?
Clara Schumanns Stil war eine faszinierende Mischung aus klassischer Strenge und romantischer Freiheit:
Traditionell im Fundament: Sie bewunderte die alten Meister wie Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven. Dies zeigt sich in ihrer Vorliebe für klare Strukturen und kontrapunktische Techniken (z. B. in ihren Präludien und Fugen). In einer Zeit, in der viele Virtuosen auf bloße Effekthascherei setzten, galt ihre Musik als seriös und fundiert.
Innovativ im Ausdruck: Besonders in ihren frühen Werken, wie dem Klavierkonzert op. 7, zeigte sie eine für ihr Alter (14–16 Jahre) erstaunliche Radikalität. Sie experimentierte mit harmonischen Wendungen und einer kühnen Klaviertechnik, die weit über das damals Übliche hinausging. Ihre Lieder zeichnen sich durch eine feinsinnige Psychologisierung der Texte aus, die sie harmonisch oft modern und gewagt untermalte.
Moderat oder Radikal?
Im Vergleich zu den „radikalen“ Neudeutschen um Franz Liszt oder Richard Wagner, die die traditionellen Formen (wie die Sonate) sprengen wollten, wirkte Clara Schumann eher moderat. Sie lehnte die überbordende Programmmusik und den rein äußerlichen Virtuosenkult ab. Dennoch war sie eine Pionierin der Moderne im Konzertwesen: Dass sie Werke großer Komponisten werktreu und auswendig interpretierte, war zu ihrer Zeit eine radikale Neuerung, die das Bild des „dienenden Künstlers“ erst begründete.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Clara Schumann war eine konservative Erneuerin. Sie bewahrte das Erbe der Klassik und des Barock, füllte es aber mit der leidenschaftlichen, oft melancholischen Seele der Romantik. Ihre Musik war zur Zeit ihrer Entstehung „neu“ im Sinne der emotionalen Tiefe, blieb aber „traditionell“ in ihrem Respekt vor der musikalischen Form.
Musikgenres
1. Klaviermusik (Solo)
Dies ist ihr umfangreichstes Genre. Ihre frühen Werke waren oft vom Virtuosentum ihrer Wunderkind-Zeit geprägt, entwickelten sich aber schnell zu tiefgründigen Charakterstücken.
Virtuose Formen: Polonaisen, Capricen und Variationen (z. B. die Variationen über ein Thema von Robert Schumann, op. 20).
Charakterstücke: Sie pflegte besonders die Gattung der Romanze, kleine, stimmungsvolle Stücke mit lyrischem Charakter (z. B. Drei Romanzen, op. 11).
Strenge Formen: Später komponierte sie auch Präludien und Fugen (op. 16), was ihr tiefes Studium der Barockmusik widerspiegelt.
2. Das Kunstlied
Clara Schumann war eine bedeutende Liedkomponistin. Ihre Lieder stehen in der Tradition von Schubert und Robert Schumann, zeichnen sich aber durch eine sehr eigenständige Klavierbegleitung aus, die den Text psychologisch deutet.
Sie vertonte oft Texte von Heinrich Heine und Friedrich Rückert.
Ein bekanntes Beispiel ist der Zyklus Liebesfrühling, den sie gemeinsam mit Robert veröffentlichte (sie steuerte drei Lieder bei, darunter Liebst du um Schönheit).
3. Kammermusik
In diesem Genre schuf sie Werke, die heute als Höhepunkte der romantischen Kammermusik gelten.
Klaviertrio g-Moll, op. 17: Ihr wohl bedeutendstes Werk. Hier zeigt sie ihre Meisterschaft in der Verwebung von Klavier, Violine und Violoncello sowie in der Handhabung der klassischen Sonatenform.
Drei Romanzen für Violine und Klavier, op. 22: Ein Standardwerk für Geiger, das durch seine sangliche Melodik besticht.
4. Orchesterwerke und Konzerte
Obwohl sie in diesem Bereich weniger komponierte, hinterließ sie ein bemerkenswertes Frühwerk:
Klavierkonzert a-Moll, op. 7: Dieses Werk vollendete sie bereits mit 16 Jahren. Es ist innovativ, da die Sätze ohne Pause ineinander übergehen, und zeigt bereits ihren Willen, die traditionellen Formen des Konzerts aufzubrechen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Clara Schumann vor allem die kleinen, intimen Formen (Lieder und Klavierstücke) perfektionierte, aber mit ihrem Klaviertrio bewies, dass sie auch die große, komplexe Form meisterhaft beherrschte.
Merkmale der Musik
1. Die Melodik: Kantabel und atmend
Ein Kernmerkmal ihrer Musik ist die Gesanglichkeit (Kantabilität). Clara Schumann sah das Klavier oft als eine menschliche Stimme.
Melodische Linien: Ihre Melodien sind selten bloßes Beiwerk zur Technik; sie sind weit gespannt und erfordern ein feines Gespür für Phrasierung und „Atmen“.
Innerlichkeit: Anstatt lauter, triumphaler Themen bevorzugte sie oft intime, fast sehnsüchtige Motive, die direkt das Gefühl ansprechen.
2. Die Harmonik: Kühn und chromatisch
Clara Schumann war harmonisch oft mutiger, als man es einer Komponistin ihrer Zeit zutraute.
Dissonanzen und Vorhalte: Sie nutzte Reibungen und unaufgelöste Dissonanzen, um Momente von innerer Unruhe oder Schmerz zu erzeugen.
Chromatik: In ihren späteren Werken (wie dem Klaviertrio g-Moll) setzt sie Chromatik (Halbtonschritte) gezielt ein, um die harmonische Spannung zu steigern und eine düstere, melancholische Färbung zu erzielen.
3. Der Klaviersatz: Orchestral und anspruchsvoll
Da sie selbst eine der besten Pianistinnen ihrer Zeit war, ist ihr Klaviersatz extrem durchdacht:
Polyphonie: Beeinflusst durch ihr intensives Studium von J.S. Bach, webt sie oft mehrere eigenständige Stimmen ineinander. Ihre Musik ist nie „dünn“; oft klingen zwei Hände wie ein ganzes Orchester.
Weite Register: Sie nutzt die gesamte Klaviatur aus – von tiefen, grollenden Bässen bis zu glitzernden Höhen im Diskant.
Verzicht auf leere Virtuosität: Im Gegensatz zu zeitgenössischen „Tastenlöwen“ diente die Technik bei ihr immer dem Ausdruck. Schnelle Läufe oder Arpeggien haben bei ihr stets eine poetische Funktion.
4. Rhythmik: Vital und komplex
In ihrer Rhythmik finden sich oft die für die Schumann-Zeit typischen Merkmale:
Synkopen und Punktierungen: Diese erzeugen einen vorwärtsdrängenden, manchmal fast atemlosen Charakter.
Metrische Überlagerungen: Oft spielen die Hände Rhythmen, die gegeneinander arbeiten (z. B. Triolen gegen Achtel), was der Musik eine schwebende, instabile Qualität verleiht.
Zusammenfassung des Klangcharakters
Wenn man Clara Schumanns Musik hört, erlebt man eine kontrollierte Leidenschaft. Sie ist:
Strukturell klar (wie die Klassik),
Emotional tiefgründig (wie die Romantik),
Technisch brillant, aber nie oberflächlich.
Auswirkungen und Einflüsse
Clara Schumann war weit mehr als „nur“ die Ehefrau eines berühmten Komponisten. Sie war eine der einflussreichsten Gestalten der europäischen Musikgeschichte, deren Wirken das heutige Konzertleben, das Klavierspiel und das Verständnis von Musiktradition entscheidend geprägt hat.
Ihre Auswirkungen lassen sich in vier zentrale Bereiche unterteilen:
1. Revolution des Konzertwesens
Clara Schumann veränderte grundlegend, wie klassische Musik präsentiert wird. Vor ihr glichen Klavierabende oft Zirkusvorstellungen, bei denen technische Kabinettstückchen und oberflächliche Variationen über Opernmelodien im Vordergrund standen.
Auswendigspiel: Sie war eine der Ersten, die ihre Konzerte komplett auswendig spielte. Was heute Standard ist, galt damals als Zeichen höchster künstlerischer Durchdringung.
Werktreue: Statt sich selbst zu inszenieren, sah sie sich als „Dienerin am Werk“. Sie etablierte den Ernstcharakter des Solo-Rezitals und rückte die Intention des Komponisten in den Fokus.
Kanon-Bildung: Durch ihre Programmgestaltung verhalf sie Werken von J.S. Bach, Beethoven, Chopin und natürlich Robert Schumann und Brahms zu dem Status als „Klassiker“, den sie heute haben.
2. Bewahrerin des Erbes von Robert Schumann
Ohne Clara Schumann wäre das Werk ihres Mannes Robert vermutlich weit weniger bekannt.
Botschafterin: Nach seinem Tod im Jahr 1856 widmete sie fast vier Jahrzehnte ihrer Karriere der Verbreitung seiner Musik. Sie war die wichtigste Interpretin seiner Klavierwerke und gab ihm durch ihre weltweite Berühmtheit eine Bühne.
Herausgeberschaft: Gemeinsam mit Johannes Brahms verantwortete sie die erste Gesamtausgabe von Roberts Werken. Damit setzte sie Maßstäbe für die wissenschaftliche Edition von Noten.
3. Einfluss als Pädagogin („Die Frankfurter Schule“)
Als Professorin am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt (ab 1878) prägte sie eine ganze Generation von Pianisten aus aller Welt.
Klangideal: Sie lehrte eine Technik, die den „singenden Ton“ und die musikalische Intelligenz über bloße Fingerfertigkeit stellte. Ihre Schüler trugen diesen „Schumann-Stil“ bis weit ins 20. Jahrhundert hinein (z. B. Fanny Davies oder Adelina de Lara).
4. Vorbild für Frauen in der Musik
In einer Zeit, in der professionelle Karrieren für Frauen gesellschaftlich kaum vorgesehen waren, lebte Clara Schumann ein modernes, fast schon revolutionäres Modell vor:
Berufstätigkeit: Sie war die Hauptverdienerin der Familie, managte ihre eigenen Tourneen und behauptete sich in einer männerdominierten Branche als unangefochtene Autorität.
Komponistin: Obwohl sie ihr eigenes Schaffen oft bescheiden bewertete, schuf sie Werke (wie ihr Klaviertrio), die heute als Meilensteine gelten und moderne Komponistinnen bis heute inspirieren.
Zusammenfassend: Clara Schumann war die „Hohepriesterin der Musik“, die den Übergang vom virtuosen Spektakel zum tiefgründigen, werktreuen Konzert vollzog. Sie war das moralische und künstlerische Gewissen der Romantik.
Musikalische Aktivitäten außer dem Komponieren
Clara Schumann war eine der vielseitigsten Musikerpersönlichkeiten ihrer Zeit. Neben ihrem kompositorischen Schaffen prägte sie die Musikwelt vor allem durch vier weitere Tätigkeitsfelder:
1. Die Klaviervirtuosin und Konzertmanagerin
Clara Schumann galt als die bedeutendste Pianistin des 19. Jahrhunderts. Ihre Konzerttätigkeit erstreckte sich über mehr als 60 Jahre.
Weltweite Tourneen: Sie reiste unter widrigsten Bedingungen (per Postkutsche, Schiff oder Schlitten) quer durch Europa, von Russland bis England und von Paris bis Wien.
Selbstmanagement: In einer Zeit ohne Konzertagenturen organisierte sie ihre Auftritte oft selbst. Sie kümmerte sich um die Saalmieten, die Werbung, das Honorar und die Programmgestaltung.
Pionierin des Rezitals: Sie etablierte das Format des Solo-Klavierabends und war eine der ersten, die Werke großer Meister wie Beethoven oder Bach auswendig spielte.
2. Die Herausgeberin und Nachlassverwalterin
Nach dem Tod ihres Mannes Robert im Jahr 1856 widmete sie einen Großteil ihrer Energie der Bewahrung und Verbreitung seines Erbes.
Gesamtausgabe: Zusammen mit Johannes Brahms gab sie die erste kritische Gesamtausgabe der Werke Robert Schumanns beim Verlag Breitkopf & Härtel heraus (1881–1893). Dabei korrigierte sie Manuskripte und fügte Tempo- sowie Fingersatzangaben hinzu.
Publikation von Briefen: Sie veröffentlichte Roberts „Jugendbriefe“ (1885), um das Bild seines Charakters und seiner künstlerischen Entwicklung für die Nachwelt zu festigen.
3. Die einflussreiche Pädagogin
Als Professorin prägte sie eine ganze Generation von Pianisten und gab ihre hohen künstlerischen Standards weiter.
Dr. Hoch’s Konservatorium: 1878 wurde sie als erste Frau an das Dr. Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt am Main berufen. Dort unterrichtete sie bis 1892.
Die „Frankfurter Schule“: Ihr Unterrichtsstil betonte den „singenden Ton“, eine perfekte Technik und vor allem die Werktreue – die absolute Treue zum Notentext des Komponisten ohne unnötige Effekthascherei.
4. Die Netzwerkerin und Förderin
Clara Schumann war eine zentrale Instanz im kulturellen Leben. Sie nutzte ihre Berühmtheit, um junge Talente zu fördern und neue Musik durchzusetzen.
Uraufführungen: Sie brachte zahlreiche Werke von Robert Schumann und Johannes Brahms (z. B. das Klavierquintett f-Moll) zur Uraufführung.
Künstlerischer Austausch: Sie stand in ständigem Austausch mit den führenden Köpfen ihrer Zeit, darunter Felix Mendelssohn Bartholdy, Frédéric Chopin und Franz Liszt, und war eine geschätzte Ratgeberin in Fragen der Interpretation und Komposition.
Zusammenfassend: Clara Schumann war nicht nur Interpretin, sondern eine strategische Akteurin im Musikbetrieb, die als Pädagogin und Herausgeberin das Verständnis romantischer Musik bis weit ins 20. Jahrhundert hinein definierte.
Aktivitäten außer Musik
1. Chronistin und Tagebuchschreiberin
Eine ihrer beständigsten Aktivitäten war das Führen von Tagebüchern.
Lebenslange Dokumentation: Ihr Vater begann für sie ein Tagebuch, als sie fünf Jahre alt war. Später führte sie es selbst fort und hielt darin nicht nur künstlerische Erfolge, sondern auch tiefste persönliche Reflexionen fest.
Ehetagebuch: Gemeinsam mit Robert führte sie ein „Ehetagebuch“, in dem sie sich abwechselnd über ihren Alltag, ihre Lektüre und ihre Beziehung austauschten. Für Clara war das Schreiben eine Form der moralischen Selbstvergewisserung und Verarbeitung ihres bewegten Lebens.
2. Familienmanagement und Mutterschaft
In einer Zeit ohne moderne Hilfsmittel war die Organisation eines Haushalts mit acht Kindern eine immense logistische Aufgabe.
Alleinerziehende Mutter: Nach Roberts Tod im Jahr 1856 trug sie die alleinige Verantwortung für die Erziehung und finanzielle Absicherung ihrer sieben überlebenden Kinder.
Organisation: Sie koordinierte das Personal (Köchinnen, Kindermädchen), kümmerte sich um die Ausbildung ihrer Kinder und hielt die Familie trotz ihrer ständigen Reisen zusammen.
3. Umfangreiche Korrespondenz
Clara Schumann war eine leidenschaftliche und disziplinierte Briefschreiberin.
Netzwerkpflege: Sie stand im Austausch mit den bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit, von Musikern wie Brahms und Joachim bis hin zu Schriftstellern und Schauspielern.
Arbeitspensum: Oft beklagte sie in ihren Briefen, dass die Beantwortung der Korrespondenz sie „moralische und physische Kräfte“ koste, da sie teilweise hunderte Briefe pro Jahr verfasste.
4. Natur und Reisen (außerhalb der Tournee)
Obwohl ihre Reisen meist beruflich motiviert waren, suchte sie aktiv nach Erholung in der Natur.
Sommerfrische in Baden-Baden: Sie kaufte ein Haus in Lichtental bei Baden-Baden, um dort die Sommermonate mit ihren Kindern zu verbringen. Diese Zeit im Grünen war ihr wichtigster Rückzugsort vom hektischen Konzertbetrieb.
Spaziergänge: Wie viele Romantiker schätzte sie ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, oft in Begleitung von Freunden wie Johannes Brahms, um Kraft zu tanken.
5. Sprachstudien und Bildung
Um auf ihren internationalen Tourneen bestehen zu können, bildete sie sich ständig weiter.
Fremdsprachen: Sie nahm Unterricht in Französisch und Englisch, was für ihre Konzertreisen nach Paris und London unerlässlich war.
Lektüre: Sie war eine belesene Frau, die sich intensiv mit der Literatur ihrer Zeit auseinandersetzte, was sich auch in ihrer Auswahl der Texte für ihre Lieder widerspiegelte.
Zusammenfassend war Clara Schumanns „Freizeit“ meist untrennbar mit ihren Pflichten als Familienoberhaupt und ihrer Rolle als öffentliche Person verbunden. Ihr Haus in Baden-Baden blieb dabei der seltene Ort, an dem sie versuchte, ein Stück Privatleben abseits des Rampenlichts zu führen.
Als Pianistin
Als Pianistin war Clara Schumann eine Epochengestalt. Sie war nicht nur eine der technisch versiertesten Virtuosinnen des 19. Jahrhunderts, sondern sie definierte grundlegend neu, was es bedeutet, am Klavier zu stehen und Musik zu interpretieren. Ihr Spiel war der Gegenentwurf zum damals weit verbreiteten, oberflächlichen Starkult.
Die Ausbildung und das Wunderkind
Ihr Weg als Pianistin begann unter dem diktatorischen Regiment ihres Vaters, Friedrich Wieck. Er wollte beweisen, dass seine pädagogische Methode jedes Talent zur Perfektion führen konnte.
Technisches Fundament: Clara wurde auf einen harten Anschlag und absolute Präzision trainiert. Ihr Spiel zeichnete sich schon früh durch eine Kraft und Ausdauer aus, die man damals Frauen oft nicht zutraute.
Früher Ruhm: Während andere Kinder spielten, gab sie Konzerte vor Goethe, Paganini und Liszt. Letzterer bewunderte ihre Technik zutiefst, obwohl ihr Stil sich später diametral von seinem unterscheiden sollte.
Stil und Ästhetik: Die „Hohepriesterin“
Mit zunehmender Reife entwickelte Clara ein Spielideal, das heute als Geburtsstunde der modernen Interpretation gilt. Man nannte sie die „Hohepriesterin der Musik“, weil sie den Fokus weg von ihrer eigenen Person und hin zum Komponisten lenkte.
Werktreue: Während andere Pianisten Stücke eigenmächtig veränderten oder mit Verzierungen „aufbesserten“, spielte Clara genau das, was in den Noten stand. Sie sah sich als Medium des Schöpfers.
Der „singende“ Ton: Ihr Spiel war berühmt für seine Kantabilität. Sie konnte das Klavier buchstäblich singen lassen, was besonders bei den lyrischen Werken von Chopin und Robert Schumann zur Geltung kam.
Verzicht auf Effekte: Sie lehnte unnötige Körperbewegungen oder theatralische Gesten am Instrument ab. Ihre Haltung war ruhig und konzentriert, was ihre enorme innere Intensität nur noch unterstrich.
Revolutionäre Neuerungen im Konzertsaal
Clara Schumann brach mit den Konventionen des 19. Jahrhunderts und prägte Formate, die wir heute noch im klassischen Konzert erleben:
Das Auswendigspiel: Vor Clara galt es fast als arrogant oder unsicher, ohne Noten zu spielen. Sie etablierte das Auswendigspiel als Zeichen tiefer geistiger Durchdringung des Werkes.
Anspruchsvolle Programme: Sie weigerte sich, im Konzert nur „Gefälliges“ zu spielen. Sie zwang ihrem Publikum anspruchsvolle Werke von Bach, Beethoven und Brahms auf und erzog die Zuhörer so zu einer neuen Ernsthaftigkeit.
Eine lebenslange Karriere gegen alle Widerstände
Ihre Karriere als Pianistin war nicht nur eine künstlerische Berufung, sondern oft eine schiere Notwendigkeit.
Die Hauptverdienerin: Während Robert krankheitsbedingt kaum Geld verdiente und später verstarb, finanzierte Clara durch ihre Tourneen das Leben ihrer achtköpfigen Familie.
Körperliche Belastung: Bis ins hohe Alter (ihr letztes Konzert gab sie 1891 mit 71 Jahren) reiste sie durch ganz Europa. Trotz beginnender Rheuma-Beschwerden und Schwerhörigkeit verlor sie nie ihre technische Souveränität.
Clara Schumann hinterließ ein Erbe, das über ihre eigenen Auftritte hinausging. Sie machte das Klavierspiel zu einer intellektuellen und moralischen Aufgabe.
Als Musiklehrerin
Clara Schumann war als Musikpädagogin ebenso einflussreich wie als Pianistin. Ihre Lehrtätigkeit war geprägt von kompromissloser künstlerischer Strenge, einer tiefen Ehrfurcht vor dem Notentext und dem Ziel, das Klavierspiel von bloßer Virtuosität hin zu geistiger Durchdringung zu führen.
Hier ist ein Überblick über ihr Wirken und ihren bleibenden Beitrag als Lehrerin:
1. Die Berufung nach Frankfurt
Im Jahr 1878 trat Clara Schumann eine Stelle an, die für die damalige Zeit außergewöhnlich war: Sie wurde als erste Frau zur Professorin für Klavier am neu gegründeten Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main ernannt.
Prestigeprojekt: Das Konservatorium sicherte sich mit ihr einen Weltstar. Sie erhielt Sonderkonditionen, durfte weiterhin auf Tournee gehen und suchte sich ihre Schüler selbst aus.
Internationale Ausstrahlung: Dank ihres Namens strömten junge Talente aus ganz Europa, den USA und sogar Australien nach Frankfurt, um bei ihr zu studieren.
2. Die „Schumann-Schule“: Methode und Prinzipien
Clara Schumann vertrat eine sehr klare pädagogische Linie, die sich deutlich vom technisch-mechanischen Drill anderer Schulen abhob.
Der „singende Ton“: Das oberste Ziel war die Erzeugung eines edlen, gesanglichen Tons. Sie verlangte von ihren Schülern, dass das Klavier niemals „geschlagen“, sondern immer „gedrückt“ oder „gestreichelt“ wurde, um eine menschliche Stimme zu imitieren.
Geistige Durchdringung: Bevor ein Schüler die erste Taste drückte, musste er das Werk theoretisch verstehen. Sie forderte, dass man die Seele der Komposition erfasst, anstatt nur die Finger zu trainieren.
Absoluter Respekt vor dem Notentext: In einer Zeit, in der viele Pianisten Werke eigenmächtig veränderten, war sie eine Pionierin der Werktreue. Fingersätze und Phrasierungen mussten exakt so ausgeführt werden, wie der Komponist (insbesondere Robert Schumann) es beabsichtigt hatte.
3. Disziplin und mütterliche Strenge
Ihr Unterricht fand oft in ihrem privaten Wohnzimmer statt, was eine persönliche, aber hochkonzentrierte Atmosphäre schuf.
Detailversessenheit: Schüler berichteten, dass sie manchmal eine Stunde lang nur an einem einzigen Takt oder einer speziellen Phrasierung arbeiteten.
Förderung von Frauen: Obwohl sie selbst kritisch gegenüber Frauen im Komponistenberuf war, förderte sie Pianistinnen massiv und ermöglichte vielen von ihnen den Weg in eine professionelle Karriere.
4. Ihr bleibender Beitrag zur Musikwelt
Ihr pädagogisches Erbe wirkt bis heute nach, da sie eine Brücke zwischen der Ära der Klassik und der modernen Klavierschule schlug.
Erhalt der Tradition: Sie gab die authentische Interpretation der Werke von Robert Schumann und Johannes Brahms direkt an ihre Schüler weiter. Da sie diese Werke oft mit den Komponisten selbst erarbeitet hatte, galt ihr Unterricht als die „Quelle der Wahrheit“.
Berühmte Schüler: Zu ihren bedeutendsten Schülerinnen gehörten Fanny Davies, Adelina de Lara und Ilona Eibenschütz. Diese Musikerinnen machten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Aufnahmen, die heute als wertvolle Dokumente des „Schumann-Stils“ gelten.
Professionalisierung: Durch ihre Position in Frankfurt bewies sie, dass Frauen in der akademischen Lehre auf höchstem Niveau bestehen konnten, und ebnete so den Weg für nachfolgende Generationen von Musikprofessorinnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Clara Schumann die Klavierpädagogik moralisierte: Sie machte aus dem Klavierunterricht eine Lehre der künstlerischen Ethik und der Demut vor dem Werk.
Musikalische Familie
Die Eltern: Das Fundament
Die musikalische Prägung begann bereits bei ihren Eltern, deren Beziehung jedoch unter keinem guten Stern stand.
Friedrich Wieck (Vater): Er war einer der renommiertesten Klavierpädagogen seiner Zeit. Er besaß eine Klavierfabrik und eine Leihanstalt für Noten. Sein Ehrgeiz war der Motor hinter Claras Karriere; er wollte durch sie beweisen, dass seine Lehrmethode unfehlbar war.
Mariane Wieck, geb. Tromlitz (Mutter): Sie war eine begabte Sängerin und Pianistin, die in den Leipziger Gewandhauskonzerten als Solistin auftrat. Sie stammte selbst aus einer Musikerfamilie; ihr Vater war der berühmte Flötist Johann George Tromlitz. Mariane verließ die Familie, als Clara fünf Jahre alt war, was die Bindung zur Musik als „Ersatzsprache“ noch verstärkte.
Die Geschwister: Im Schatten der Erstgeborenen
Clara hatte mehrere Brüder und Halbgeschwister, die ebenfalls musikalisch ausgebildet wurden, jedoch nie ihren Weltruhm erreichten.
Alwin und Gustav Wieck: Ihre Brüder erhielten ebenfalls Unterricht beim Vater, blieben aber eher durchschnittliche Musiker.
Marie Wieck (Halbschwester): Aus der zweiten Ehe ihres Vaters stammend, wurde auch Marie als Pianistin und Sängerin ausgebildet. Sie stand zeit ihres Lebens im Schatten ihrer berühmten Halbschwester, war aber dennoch eine angesehene Musikerin und Klavierlehrerin.
Die Ehe mit Robert Schumann
Durch die Heirat mit Robert Schumann im Jahr 1840 verbanden sich zwei der größten musikalischen Talente der Romantik. Robert war ursprünglich ein Schüler ihres Vaters gewesen. In ihrer Ehe verschmolzen Privatleben und Kunst: Sie studierten gemeinsam Partituren von Bach, inspirierten sich gegenseitig zu Kompositionen und korrigierten ihre Werke gegenseitig.
Die Kinder: Musik als Bürde und Erbe
Clara und Robert hatten acht Kinder, deren Leben oft von der Musik oder den tragischen Umständen der Familie geprägt war.
Marie und Eugenie Schumann: Sie traten am stärksten in die Fußstapfen ihrer Mutter. Marie wurde Claras engste Assistentin und rechte Hand im Lehrbetrieb. Eugenie wurde ebenfalls Pianistin und verfasste bedeutende Erinnerungen über ihre Mutter und Johannes Brahms.
Felix Schumann: Das jüngste Kind war musikalisch und literarisch hochbegabt. Er schrieb Gedichte, die von Johannes Brahms vertont wurden, verstarb jedoch tragisch jung an Tuberkulose.
Ferdinand Schumann: Er wurde Musikalienhändler und blieb so zumindest geschäftlich der Musikwelt verbunden.
Der „Wahlverwandte“: Johannes Brahms
Obwohl nicht biologisch verwandt, muss Johannes Brahms als Teil der musikalischen Familie genannt werden. Ab 1853 wurde er zum engsten Vertrauten der Schumanns. Nach Roberts Tod wurde er für Clara und ihre Kinder zu einer Art Ersatzvater und spirituellem Partner, der bis zu ihrem Lebensende ihr künstlerischer Ratgeber blieb.
Beziehungen zu Komponisten
1. Robert Schumann: Die totale Symbiose
Ihre wichtigste Beziehung war die zu ihrem Ehemann. Es war eine Verbindung auf Augenhöhe, die weit über eine normale Ehe hinausging.
Künstlerischer Austausch: Sie war seine wichtigste Beraterin und oft die erste, die seine Werke sah oder hörte. Robert sagte einmal, dass kein Musiker ihn so gut verstünde wie sie.
Die Muse: Er widmete ihr zahlreiche Werke (z. B. die Fantasie C-Dur), während sie durch ihre Konzertreisen dafür sorgte, dass seine Musik überhaupt bekannt wurde.
2. Johannes Brahms: Eine lebenslange Seelenverwandtschaft
Die Beziehung zu Brahms ist eine der rätselhaftesten und bewegendsten der Musikgeschichte. 1853 kam der junge Brahms zu den Schumanns und wurde sofort als Genie erkannt.
Stütze in der Not: Während Roberts Krankheit und nach seinem Tod war Brahms Claras wichtigster Halt. Er kümmerte sich um ihre Kinder und ihre Finanzen.
Künstlerisches Gewissen: Sie schickten sich gegenseitig fast alle ihre neuen Kompositionen zur Korrektur. Brahms suchte zeitlebens ihre Anerkennung; wenn Clara ein Werk nicht gefiel, zweifelte er oft an dessen Wert.
3. Felix Mendelssohn Bartholdy: Bewunderung und Freundschaft
Mendelssohn war einer von Claras engsten Freunden und Weggefährten in ihrer Leipziger Zeit.
Der Mentor: Er dirigierte viele ihrer Konzerte im Gewandhaus. Clara bewunderte seine Eleganz und formale Perfektion.
Gemeinsame Werte: Beide teilten eine Abneigung gegen oberflächliche Effekthascherei und setzten sich gemeinsam für die Wiederentdeckung von J.S. Bach ein. Sein plötzlicher Tod 1847 traf sie zutiefst.
4. Frédéric Chopin: Respektvoller Abstand
Clara traf Chopin mehrmals, unter anderem in Paris und Leipzig.
Die Pianistin: Chopin bewunderte ihr Spiel und widmete ihr seine Variationen über „La ci darem la mano“.
Die Kritikerin: Clara schätzte Chopins Poesie, stand aber manchen seiner „exzentrischen“ harmonischen Wendungen skeptisch gegenüber. Dennoch war sie eine der ersten, die seine Werke konsequent in ihr deutsches Repertoire aufnahm.
5. Franz Liszt: Von Bewunderung zu Feindseligkeit
Die Beziehung zu Liszt ist ein Beispiel für den ästhetischen Bruch im 19. Jahrhundert.
Frühe Jahre: Als junges Mädchen war Clara von Liszts technischer Brillanz fasziniert. Liszt wiederum nannte sie eine „Priesterin der Kunst“.
Der Bruch: Später lehnte Clara seinen ausschweifenden Lebensstil und seine „Zukunftsmusik“ (die Neudeutsche Schule) radikal ab. Sie empfand seine Musik als leer und effekthascherisch. Als Liszt Robert Schumanns Werke in einer Weise bearbeitete, die ihr nicht gefiel, kam es zum dauerhaften Zerwürfnis.
6. Joseph Joachim: Der musikalische Bruder
Der berühmte Geiger Joseph Joachim war über Jahrzehnte ihr engster Kammermusikpartner.
Das Duo: Zusammen mit ihm bildete sie ein legendäres Ensemble. Sie teilten dieselbe Aufführungsästhetik: Demut vor dem Werk und technische Perfektion. Er war neben Brahms ihr wichtigster Vertrauter in musikalischen Fragen.
Zusammenfassend: Clara Schumann war die Instanz, die entschied, was in der Musikwelt der Romantik Qualität hatte. Wer ihr nahestand, gehörte zum inneren Zirkel der „ernsten“ Musik; wer von ihr abgelehnt wurde, hatte es schwer, in den konservativen Kreisen Fuß zu fassen.
Beziehung zu Robert Schumann
Die Beziehung zwischen Clara und Robert Schumann gilt als eine der bedeutendsten und zugleich tragischsten Liebes- und Arbeitsgemeinschaften der Kulturgeschichte. Sie war eine Verbindung, in der Kunst und Leben vollkommen ineinanderflossen.
Vom Lehrer-Schüler-Verhältnis zur verbotenen Liebe
Die Geschichte begann, als der junge Robert Schumann 1830 in das Haus von Claras Vater, Friedrich Wieck, einzog, um dort Klavierschüler zu werden. Clara war zu diesem Zeitpunkt erst elf Jahre alt, aber bereits eine gefeierte Pianistin. Aus der anfänglichen Geschwisterlichkeit entwickelte sich über die Jahre eine tiefe romantische Zuneigung.
Als Clara 16 Jahre alt war, tauschten sie erste Küsse aus, was zu einem beispiellosen Konflikt mit ihrem Vater führte. Friedrich Wieck sah in Robert einen mittelmäßigen Komponisten mit zweifelhaftem Lebenswandel, der die Karriere seines wertvollsten „Produkts“ – seiner Tochter – ruinieren würde. Es folgte ein jahrelanger, erbitterter Kampf, der schließlich vor Gericht endete. Erst durch ein richterliches Urteil erhielten sie die Erlaubnis zur Ehe und heirateten am 12. September 1840, dem Vortag von Claras 21. Geburtstag.
Die musikalische Symbiose
In ihrer Ehe bildeten sie eine künstlerische Einheit, die in der Musikwelt ihresgleichen suchte. Sie führten ein gemeinsames Ehetagebuch, in dem sie sich nicht nur über Alltägliches, sondern vor allem über ihre musikalischen Ideen austauschten.
Inspiration: Robert komponierte in seinem „Liederjahr“ 1840 zahlreiche Werke als Liebeserklärung an Clara. Sie wiederum war seine wichtigste Beraterin und oft die einzige, die seine komplexen Partituren sofort verstand.
Das Klavier als Konfliktpunkt: Trotz der Liebe gab es Spannungen. Wenn Robert komponierte, brauchte er Stille, was Clara oft daran hinderte, für ihre Konzerte zu üben. Robert fühlte sich zudem manchmal in den Schatten gestellt, wenn sie auf Tourneen als der eigentliche Star gefeiert wurde, während er nur als „der Ehemann der Künstlerin“ wahrgenommen wurde.
Die Rollenverteilung und Last
Clara übernahm in der Ehe eine Doppelrolle, die sie bis an ihre Grenzen forderte. Sie war die Muse und Interpretin seiner Werke, aber auch die Hauptverdienerin der wachsenden Familie mit acht Kindern. Robert, dessen eigene Karriere als Pianist durch eine Handverletzung früh beendet war, litt zunehmend unter depressiven Phasen und Halluzinationen. Clara organisierte den Haushalt, die Finanzen und die Reisen, während sie gleichzeitig versuchte, Roberts sensibles Gemüt vor der Außenwelt zu schützen.
Das tragische Ende
Die Beziehung endete in einer Katastrophe, als Roberts psychische Krankheit 1854 in einem Suizidversuch im Rhein gipfelte. Er wurde in eine Nervenheilanstalt in Endenich eingewiesen. Auf Anraten der Ärzte durfte Clara ihn dort fast zweieinhalb Jahre lang nicht besuchen, um seine Aufregung zu vermeiden. Erst zwei Tage vor seinem Tod im Jahr 1856 sah sie ihn wieder. Er erkannte sie noch, konnte aber kaum noch sprechen.
Nach seinem Tod widmete Clara ihr restliches Leben – weitere 40 Jahre – fast ausschließlich der Aufgabe, Roberts Musik in ganz Europa berühmt zu machen. Sie trug fast nur noch Schwarz und wurde zur „Nachlassverwalterin“ seiner Seele. Ihre Liebe zu ihm blieb der feste Anker ihres Lebens, auch wenn sie später eine tiefe Freundschaft zu Johannes Brahms pflegte.
Beziehung zu Johannes Brahms
Die Beziehung zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms ist eine der tiefgründigsten, rätselhaftesten und bewegendsten Verbindungen der Musikgeschichte. Sie schwankte über 43 Jahre lang zwischen leidenschaftlicher Verehrung, familiärer Bindung und einer kompromisslosen künstlerischen Arbeitsgemeinschaft.
Die Begegnung im Schicksalsjahr (1853)
Die Geschichte begann im September 1853, als der damals völlig unbekannte, 20-jährige Johannes Brahms vor der Tür der Schumanns in Düsseldorf stand. Robert Schumann war sofort elektrisiert von dem Talent des jungen Mannes und proklamierte ihn in seinem berühmten Artikel Neue Bahnen zum kommenden Genie. Für Clara war Brahms zunächst der junge, hübsche „Prophet“. Doch als Robert nur wenige Monate später, im Februar 1854, nach einem Suizidversuch in die Heilanstalt Endenich eingeliefert wurde, wandelte sich die Beziehung schlagartig.
Stütze in der Katastrophe (1854–1856)
Während der zweieinhalb Jahre, in denen Robert in der Anstalt war, wurde Brahms zum unentbehrlichen Fels in Claras Leben.
Praktische Hilfe: Er zog zeitweise in das Haus der Schumanns, half bei der Erziehung der Kinder und ordnete Roberts Bibliothek.
Emotionale Nähe: In dieser Phase der Isolation und Trauer vertieften sich ihre Gefühle. Die Anrede in ihren Briefen wandelte sich vom förmlichen „Verehrte Frau“ zum vertrauten „Meine geliebte Clara“ und schließlich zum „Du“.
Brahms war in dieser Zeit leidenschaftlich in die 14 Jahre ältere Frau verliebt. Ob diese Liebe jemals physisch vollzogen wurde, bleibt das große Geheimnis der Musikgeschichte, da beide später im gegenseitigen Einvernehmen einen Großteil ihres Briefwechsels vernichteten.
Der Moment der Entscheidung (1856)
Nach Roberts Tod im Juli 1856 verbrachten Clara und Johannes einen gemeinsamen Sommerurlaub in der Schweiz. Viele Biografen vermuten, dass es in dieser Zeit zu einer Klärung ihrer Beziehung kam. Das Ergebnis war jedoch keine Hochzeit, sondern eine Distanzierung auf Raten: Brahms reiste ab, und beide entschieden sich für ein Leben in „freier“ Verbundenheit. Clara blieb die „ewige Witwe“ Roberts, und Brahms blieb zeitlebens Junggeselle.
Das künstlerische Gewissen
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine beispiellose professionelle Symbiose.
Die Kritikerin: Brahms schickte fast jedes seiner neuen Werke an Clara, bevor er es veröffentlichte. Ihr Urteil war für ihn das wichtigste Maß. Wenn sie eine Passage kritisierte, überarbeitete er sie oft mühsam.
Die Botschafterin: Clara wiederum war die wichtigste Interpretin seiner Klavierwerke und setzte ihre Berühmtheit ein, um seine Musik europaweit bekannt zu machen.
Das Alter und der Abschied
Ihre Beziehung hielt bis zum Tod. Auch wenn es zwischendurch Phasen der Entfremdung und heftige Streitigkeiten gab (oft aufgrund von Brahms’ bisweilen schroffer Art), fanden sie immer wieder zusammen. Brahms bezeichnete Clara als das „schönste Erlebnis“ seines Lebens.
Als Clara 1896 im Sterben lag, eilte Brahms verzweifelt zu ihr, kam jedoch aufgrund von Zugverspätungen erst kurz nach ihrem Tod an. Bei ihrer Beerdigung war er ein gebrochener Mann. Er überlebte sie nur um elf Monate. Sein letztes großes Werk, die Vier ernsten Gesänge, gilt als sein musikalischer Abschied von ihr.
Ähnliche Komponisten
1. Robert Schumann (1810–1856)
Die offensichtlichste Ähnlichkeit besteht zu ihrem Ehemann. Da sie sich gegenseitig beeinflussten und gemeinsam lernten, ist ihre musikalische Sprache oft eng verwandt.
Ähnlichkeit: Beide nutzen eine sehr poetische, fragmentarische Form am Klavier und eine dichte, polyphone Textur. Wer die „Kinderszenen“ von Robert mag, wird in Claras „Romanzen“ eine sehr ähnliche emotionale Welt finden.
2. Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805–1847)
Sie ist das wichtigste weibliche Gegenstück zu Clara Schumann in der deutschen Romantik.
Ähnlichkeit: Beide komponierten hervorragende Lieder und anspruchsvolle Klaviermusik. Während Clara jedoch als reisende Virtuosin bekannt war, wirkte Fanny eher im privaten Rahmen („Sonntagsmusiken“). Ihr Stil ist wie der ihres Bruders Felix etwas klassizistischer und eleganter als der von Clara, teilt aber die gleiche romantische Innigkeit.
Hörtipp: Das Jahr (Klavierzyklus).
3. Johannes Brahms (1833–1897)
Brahms war nicht nur ihr engster Freund, sondern auch ihr künstlerischer Wahlverwandter.
Ähnlichkeit: Beide teilten eine tiefe Verehrung für Johann Sebastian Bach und die alten Formen (Fuge, Variation). Die Ernsthaftigkeit und die melancholische Grundstimmung, die man in Claras Spätwerk (z. B. dem Klaviertrio) findet, ist der Kern von Brahms’ Schaffen.
Hörtipp: Intermezzi für Klavier, op. 117.
4. Frédéric Chopin (1810–1849)
Obwohl Chopin polnischer Herkunft war, gibt es im Bereich der Klaviermusik starke Überschneidungen.
Ähnlichkeit: Wie Chopin verstand es Clara Schumann, das Klavier „singen“ zu lassen. Ihre frühen Polonaisen und Mazurken sind deutlich von Chopins Stil beeinflusst. Beide nutzen das Klavier als Medium für extrem feine, nuancierte Gefühle.
Hörtipp: Nocturnes.
5. Amy Beach (1867–1944)
Eine Generation später in den USA, weist Amy Beach eine ähnliche Entwicklung wie Clara auf.
Ähnlichkeit: Beach war ebenfalls ein Wunderkind am Klavier und musste gegen gesellschaftliche Widerstände kämpfen. Ihr Stil ist spätromantisch, oft großformatig und zeigt eine ähnliche strukturelle Meisterschaft wie Claras Klaviertrio.
Hörtipp: Gaelic Symphony.
6. Louise Farrenc (1804–1875)
Die französische Komponistin war eine Zeitgenossin Claras und teilte viele ihrer beruflichen Herausforderungen.
Ähnlichkeit: Wie Clara war sie eine exzellente Pianistin und die erste weibliche Professorin an einem bedeutenden Konservatorium (Paris). Musikalisch ähnelt sie Clara in ihrer Vorliebe für klare, fast Beethoven-ähnliche Strukturen in der Kammermusik.
Hörtipp: Nonett in Es-Dur.
Beziehungen
1. Enge Partnerschaften mit Solisten
Clara Schumann bevorzugte Musiker, die ihre Philosophie der Werktreue teilten.
Joseph Joachim (Geiger): Er war ihr wichtigster künstlerischer Partner über Jahrzehnte hinweg. Gemeinsam bildeten sie ein Duo, das europaweit Maßstäbe für Kammermusik setzte. Sie gaben hunderte Konzerte und waren sich in ihrer Ablehnung von reinem Virtuosentum einig. Joachim war für sie wie ein Bruder im Geiste.
Julius Stockhausen (Sänger): Der Bariton war ihr engster Partner im Bereich des Liedgesangs. Gemeinsam begründeten sie die Tradition der Liederabende, bei denen ganze Zyklen (wie die Dichterliebe oder die Magelone) im Zentrum standen, statt nur einzelner, gefälliger Arien.
Alfred Piatti (Cellist): Während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in London bildete sie mit dem Cellisten Piatti und Joachim ein legendäres Trio. Diese Zusammenarbeit festigte ihren Ruf im viktorianischen England.
2. Verhältnis zu Orchestern und Dirigenten
Als Solistin trat sie mit den bedeutendsten Orchestern ihrer Zeit auf, wobei die Beziehung oft von gegenseitigem Respekt, aber auch von Claras strengen Forderungen geprägt war.
Leipziger Gewandhausorchester: Dies war ihre „musikalische Heimat“. Hier debütierte sie als Neunjährige und trat im Laufe ihres Lebens über 70 Mal dort auf. Sie pflegte eine enge Verbindung zu den jeweiligen Kapellmeistern, besonders zu Felix Mendelssohn Bartholdy, der das Orchester zu einem der besten Europas formte.
Wiener Philharmoniker: In Wien wurde sie bereits als junge Frau enthusiastisch gefeiert. Sie war eine der wenigen ausländischen Künstlerinnen, die dort eine dauerhafte institutionelle Anerkennung genoss.
Hermann Levi (Dirigent): Er war einer der Dirigenten, denen sie besonders vertraute, insbesondere wenn es um die Aufführung der Werke von Robert Schumann ging. Er gehörte zu ihrem engsten Frankfurter Freundeskreis.
3. Zusammenarbeit mit Klavierbauern
Clara Schumann war eine Expertin für die Mechanik ihres Instruments und arbeitete eng mit den führenden Herstellern zusammen, um den idealen Klang zu finden.
Grotrian-Steinweg: Zu dieser Braunschweiger Familie pflegte sie eine fast freundschaftliche Beziehung. Sie schätzte die Belastbarkeit und den singenden Ton ihrer Flügel.
Streicher (Wien): In ihren frühen Jahren bevorzugte sie die Wiener Mechanik der Firma Streicher, die einen leichteren Anschlag hatte.
Broadwood und Erard: Auf ihren Reisen in London und Paris nutzte sie die Instrumente dieser Firmen, wobei sie oft detailliertes Feedback zur Spielart und zum Klangvolumen gab.
4. Institutionen und Konservatorien
In ihrer späteren Karriere wurde sie selbst zu einer Institution.
Dr. Hoch’s Konservatorium (Frankfurt): Hier wirkte sie nicht nur als Lehrerin, sondern prägte die gesamte künstlerische Ausrichtung des Instituts. Sie sorgte dafür, dass Frankfurt zu einem Zentrum für die „Schumann-Tradition“ wurde.
Gesellschaft der Musikfreunde (Wien): Sie stand in ständigem Austausch mit dieser mächtigen Institution, um die Edition der Werke ihres Mannes voranzutreiben und Konzerte zu koordinieren.
5. Einfluss auf andere Pianisten (Zeitgenossen)
Obwohl sie oft in Konkurrenz zu anderen stand, war ihr Einfluss auf Kollegen massiv.
Sigismund Thalberg & Franz Liszt: Während sie mit Thalberg gut auskam, war ihr Verhältnis zu den meisten „Tastenlöwen“ ihrer Zeit gespannt. Sie zwang andere Pianisten indirekt dazu, ihr Repertoire zu überdenken, da sie bewies, dass man auch mit „ernster“ Musik (Bach, Beethoven) volle Säle ziehen konnte.
Beziehungen zu Nicht-Musikern
Clara Schumann war zwar tief in der Musikwelt verwurzelt, pflegte aber ein weit verzweigtes Netzwerk zu bedeutenden Persönlichkeiten des Geisteslebens, der Politik und der Kunst. Diese Beziehungen boten ihr oft den nötigen intellektuellen Ausgleich zu ihrem anstrengenden Tourneealltag.
Hier sind die wichtigsten direkten Beziehungen zu Nicht-Musikern:
1. Literaten und Dichter
Da Clara Schumann eine bedeutende Liedkomponistin war, suchte sie oft den Kontakt zu den Autoren der Texte, die sie vertonte.
Johann Wolfgang von Goethe: Als neunjähriges Wunderkind spielte sie Goethe in Weimar vor. Er war so beeindruckt, dass er ihr eine Medaille mit seinem Porträt und der Aufschrift „Für die künstlereiche Clara Wieck“ schenkte. Diese Begegnung blieb für Clara ein lebenslanges stolzes Andenken.
Heinrich Heine: Während ihrer Aufenthalte in Paris traf sie den Dichter mehrfach. Obwohl Heine für seine scharfe Zunge bekannt war, bewunderte er Claras Spiel. Sie vertonte mehrere seiner Gedichte, darunter das berühmte „Sie liebten sich beide“.
Friedrich Rückert: Die Familie Schumann stand in engem Kontakt mit Rückert. Zu seiner Silberhochzeit vertonten Clara und Robert gemeinsam Gedichte aus seinem „Liebesfrühling“.
2. Mediziner und Wissenschaftler
Aufgrund der tragischen Krankheitsgeschichte ihres Mannes Robert und ihrer eigenen Belastung waren Ärzte oft enge Vertraute der Familie.
Dr. Franz Richarz: Er war der Leiter der Heilanstalt in Endenich, in der Robert seine letzten Jahre verbrachte. Die Korrespondenz mit ihm war für Clara eine enorme emotionale Belastung, stellte aber die einzige Verbindung zu ihrem schwerkranken Mann dar.
Ärztefamilien als Freundeskreis: In Städten wie Düsseldorf und Frankfurt gehörte Clara oft zum gehobenen Bürgertum, das stark von Medizinern und Professoren geprägt war. Diese Familien boten ihr einen stabilen sozialen Rückhalt außerhalb des Musikbetriebs.
3. Bildende Künstler
Clara Schumann bewegte sich in Kreisen, in denen der Austausch zwischen den Künsten selbstverständlich war.
Adolph Menzel: Der berühmte Maler war ein großer Bewunderer ihres Spiels und skizzierte sie mehrfach. Diese Zeichnungen gehören heute zu den authentischsten Zeugnissen ihrer Erscheinung am Klavier.
Anselm Feuerbach: Der Maler gehörte zum engeren Freundeskreis um Johannes Brahms und Clara Schumann. Man teilte das idealistische Kunstverständnis der Romantik und traf sich oft zum Austausch über Ästhetik.
4. Adel und Politik
Als internationaler Star war Clara Schumann ein häufiger Gast an den europäischen Höfen.
Königin Victoria und Prinz Albert: Clara reiste regelmäßig nach London und wurde mehrfach von der Queen in den Buckingham Palace eingeladen. Da Prinz Albert selbst sehr musikalisch war, pflegte sie zu ihm ein fast fachliches Verhältnis. Die Anerkennung durch das britische Königshaus war entscheidend für ihren finanziellen Erfolg in England.
Kaiserhaus in Wien: Wie bereits erwähnt, wurde sie zur kaiserlich-königlichen Kammervirtuosin ernannt. Diese offizielle Anerkennung sicherte ihr eine gesellschaftliche Stellung, die weit über die einer gewöhnlichen „Berufsmusikerin“ hinausging.
5. Mäzene und bürgerliche Freunde
Besonders in ihrer Zeit in Frankfurt und Baden-Baden umgab sie sich mit wohlhabenden Bewunderern, die ihr das Leben erleichterten.
Die Familie Pauline Viardot-García: Obwohl Pauline eine Sängerin war, öffnete ihr Pariser Salon Clara die Türen zur gesamten französischen Elite, darunter Schriftsteller wie Ivan Turgenjew.
Elisabeth von Herzogenberg: Obwohl sie musikalisch hochgebildet war, fungierte sie für Clara vor allem als enge Freundin und Korrespondenzpartnerin, bei der sie auch private Sorgen abladen konnte.
Zusammenfassend: Nicht-Musiker dienten Clara Schumann oft als Fenster zur Welt. Während Musiker meist ihre Kollegen oder Konkurrenten waren, fand sie bei Dichtern, Malern und Adligen die Bestätigung ihres sozialen Status und eine geistige Anregung, die ihre Interpretationen bereicherte.
Bedeutende Klaviersolowerke
Clara Schumanns Klavierwerk ist das Herzstück ihres kompositorischen Schaffens. Es spiegelt ihre Entwicklung von der brillanten Virtuosin zur tiefgründigen Romantikerin wider. Da sie ihre Stücke meist für den eigenen Gebrauch im Konzertsaal schrieb, sind sie technisch oft äußerst anspruchsvoll.
Hier sind ihre bedeutendsten Klaviersolowerke:
1. Quatre Pièces Fugitives, op. 15
Diese „vier flüchtigen Stücke“ entstanden in einer für Clara schwierigen Zeit (um 1845) und gelten als Meisterwerke der musikalischen Kurzform.
Charakter: Sie sind intim, melancholisch und harmonisch sehr feinsinnig. Besonders das erste Stück in F-Dur besticht durch seine sehnsuchtsvolle Melodik, während das vierte Stück fast schon an die späten Intermezzi von Brahms erinnert.
Bedeutung: Sie zeigen Clara als eine Komponistin, die die „große Emotion“ in eine kleine, konzentrierte Form gießen kann.
2. Drei Romanzen, op. 11
Die Romanze war Claras Lieblingsgattung. Das Opus 11 widmete sie Robert Schumann, und es wurde von ihm enthusiastisch gelobt.
Charakter: Die Romanzen sind hochromantisch und von einem „singenden“ Klaviersatz geprägt. Die zweite Romanze in g-Moll ist besonders bekannt für ihre zarte, fast zerbrechliche Stimmung, die sich in virtuose Leidenschaft steigert.
Bedeutung: Robert Schumann war von der „Eigenthümlichkeit“ dieser Stücke so beeindruckt, dass er das Thema der ersten Romanze später in seiner eigenen Musik verwendete.
3. Variationen über ein Thema von Robert Schumann, op. 20
Dieses Werk aus dem Jahr 1853 ist ein bewegendes Zeugnis der tiefen Verbundenheit des Ehepaars.
Der Hintergrund: Clara wählte ein Thema aus Roberts Bunte Blätter, op. 99. Es war ihr Geburtstagsgeschenk für ihn, kurz bevor seine Krankheit dramatisch ausbrach.
Stil: Die Variationen sind technisch hochkomplex. Clara zeigt hier ihre ganze Meisterschaft in der Bearbeitung eines Themas – von zarten, umspielenden Figuren bis hin zu kraftvollen, orchestralen Ausbrüchen.
Bedeutung: Es ist eines ihrer letzten großen Klavierwerke, bevor sie nach Roberts Tod das Komponieren fast gänzlich aufgab.
4. Soirées Musicales, op. 6
Dieses Zyklus aus ihrer frühen Jugend (geschrieben mit ca. 15 Jahren) zeigt sie noch als die junge Virtuosin, die Europa eroberte.
Inhalt: Er enthält Tänze wie die Mazurka und Polonaise, aber auch ein Notturno.
Stil: Man hört den Einfluss von Chopin, aber auch eine ganz eigene, deutsche Ernsthaftigkeit. Das Werk sprüht vor rhythmischer Energie und jugendlichem Feuer.
5. Drei Präludien und Fugen, op. 16
Diese Stücke sind das Ergebnis ihrer intensiven Studien der Werke von Johann Sebastian Bach, die sie gemeinsam mit Robert betrieb.
Charakter: Sie verbinden die strenge, barocke Form der Fuge mit dem romantischen Ausdruck des 19. Jahrhunderts.
Bedeutung: Diese Werke beweisen Claras intellektuelle Durchdringung der Musik. Sie wollte zeigen, dass sie nicht nur „Gefühl“, sondern auch „Konstruktion“ meisterhaft beherrschte.
6. Scherzo Nr. 2 in c-Moll, op. 14
Eines ihrer kraftvollsten und leidenschaftlichsten Stücke.
Stil: Es ist dramatisch, stürmisch und verlangt vom Pianisten eine enorme Sprungtechnik und Kraft in den Oktaven. Es bricht radikal mit dem Klischee der „sanften weiblichen Komposition“.
Clara Schumanns Klavierwerke sind heute fester Bestandteil des Repertoires und werden für ihre formale Klarheit und emotionale Tiefe geschätzt.
Bedeutende Kammermusik
Obwohl Clara Schumann nur wenige Werke in diesem Genre hinterließ, gehören ihre Beiträge zur Kammermusik zu den qualitativ hochwertigsten ihrer gesamten Laufbahn. Sie beweisen, dass sie die Beherrschung großer, mehrsätziger Formen und die komplexe Interaktion zwischen verschiedenen Instrumenten perfekt beherrschte.
Hier sind ihre bedeutendsten Kammermusikwerke:
1. Klaviertrio in g-Moll, op. 17
Dieses Werk aus dem Jahr 1846 gilt unbestritten als ihr größtes Meisterwerk und als eines der bedeutendsten Klaviertrios der gesamten Romantik.
Entstehung: Clara komponierte es in einer Zeit schwerer persönlicher Krisen, während Robert gesundheitlich angeschlagen war und sie mit ihrer vierten Schwangerschaft kämpfte.
Struktur: Es ist klassisch viersätzig aufgebaut. Besonders beeindruckend ist der dritte Satz (Andante), der eine tiefe, fast schmerzliche Melancholie ausstrahlt, und das Finale, in dem sie meisterhaft kontrapunktische Techniken (Fugati) einsetzt.
Bedeutung: Das Trio wurde von Zeitgenossen wie Mendelssohn hoch gelobt. Sogar Robert Schumann war so beeindruckt, dass es ihn dazu inspirierte, kurz darauf seine eigenen ersten Klaviertrios zu schreiben. Es widerlegt eindrucksvoll das damalige Vorurteil, Frauen könnten keine komplexen, großformatigen Strukturen entwickeln.
2. Drei Romanzen für Violine und Klavier, op. 22
Diese 1853 entstandenen Stücke gehören heute zum Standardrepertoire für Geiger und sind ein Paradebeispiel für Claras lyrische Begabung.
Charakter: Die drei Stücke sind charakterlich sehr verschieden: Die erste Romanze ist verträumt und leidenschaftlich, die zweite eher spielerisch und melancholisch, und die dritte besticht durch eine fließende, weitgespannte Melodik im Klavier.
Zusammenarbeit: Clara widmete die Romanzen dem legendären Geiger Joseph Joachim. Gemeinsam mit ihm führte sie diese Stücke oft auf; sie waren ein fester Bestandteil ihrer gemeinsamen Konzertprogramme.
Stil: Hier zeigt sich Claras Ideal des „singenden“ Instruments. Die Violine und das Klavier agieren als gleichberechtigte Partner in einem intimen Zwiegespräch.
3. Klavierkonzert in a-Moll, op. 7 (in der Fassung für Kammermusik)
Obwohl es primär ein Orchesterwerk ist, verdient es in diesem Kontext Erwähnung, da Clara es oft in kleineren Besetzungen aufführte oder Passagen daraus kammermusikalisch dachte.
Der langsame Mittelsatz (Romanze) ist ein reines Duett zwischen dem Klavier und einem Solo-Cello. Diese intime Besetzung mitten in einem großen Konzert zeigt Claras Vorliebe für den kammermusikalischen Dialog und die feine Textur.
4. Ungedruckte und frühe Versuche
In ihrer Jugend und während ihrer Studienzeit experimentierte sie mit weiteren Besetzungen, darunter Entwürfe für Streichquartette. Da sie jedoch extrem selbstkritisch war, vernichtete sie viele dieser Versuche oder ließ sie unvollendet, da sie fand, sie würden den hohen Standards von Robert oder Mendelssohn nicht genügen.
Zusammenfassend: Clara Schumanns Kammermusik zeichnet sich durch eine perfekte Balance zwischen den Instrumenten aus. Das Klavier ist zwar oft anspruchsvoll, drängt sich aber nie ungebührlich in den Vordergrund, sondern dient der musikalischen Gesamtaussage. Ihr Klaviertrio op. 17 bleibt der strahlende Beweis für ihre kompositorische Emanzipation.
Bedeutende Orchesterwerke
Clara Schumanns Schaffen im Bereich der Orchestermusik ist quantitativ klein, aber historisch und künstlerisch von enormer Bedeutung. Da sie als Frau im 19. Jahrhundert kaum Zugang zu einer umfassenden Kompositions- und Orchestrierungslehre hatte, sind ihre Orchesterwerke Zeugnisse eines außergewöhnlichen Talents und eines starken Willens.
Das zentrale Werk in dieser Kategorie ist:
1. Klavierkonzert in a-Moll, op. 7
Dies ist ihr bedeutendstes und einziges vollendetes Werk für Orchester. Sie begann mit der Komposition im Alter von 13 Jahren und vollendete es mit 16 Jahren (1835).
Struktur: Das Konzert besteht aus drei Sätzen, die ohne Pause ineinander übergehen (Allegro maestoso, Romanze, Finale: Allegro non troppo). Diese durchgehende Struktur war für die damalige Zeit hochinnovativ.
Der kammermusikalische Kern: Im zweiten Satz, der Romanze, verzichtet Clara fast völlig auf das Orchester. Das Klavier tritt in ein intimes Zwiegespräch mit einem Solo-Violoncello. Dieser Moment gilt als einer der poetischsten Einfälle der frühen Romantik.
Das Finale: Der letzte Satz ist ein virtuoses Bravourstück im Polonaisen-Rhythmus. Interessanterweise half ihr Robert Schumann bei der Orchestrierung dieses Satzes, während die musikalische Substanz und die ersten beiden Sätze ganz ihre eigenen waren.
Bedeutung: Clara schuf damit ein Werk, das sich selbstbewusst neben die Konzerte von Chopin oder Mendelssohn stellt. Sie spielte die Uraufführung selbst im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy.
2. Konzertsatz in f-Moll (1847)
Über zehn Jahre nach ihrem ersten Konzert begann Clara Schumann mit der Arbeit an einem weiteren Klavierkonzert.
Hintergrund: Es blieb bei einem einsätzigen Fragment. Lange Zeit war dieses Werk fast vergessen, bis es im 20. Jahrhundert rekonstruiert und orchestriert wurde.
Stil: Im Vergleich zum jugendlichen op. 7 ist dieser Satz deutlich reifer, düsterer und harmonisch komplexer. Er spiegelt die kompositorische Erfahrung wider, die sie durch die Arbeit an ihrem Klaviertrio und die Studien mit Robert gewonnen hatte.
3. Orchestrierung von Liedern und Bearbeitungen
Obwohl sie keine eigenständigen Sinfonien schrieb, war sie intensiv an der klanglichen Gestaltung von Musik beteiligt:
Zusammenarbeit mit Robert: Es ist bekannt, dass sie Robert bei der Durchsicht und Korrektur seiner Orchesterpartituren half (z. B. bei seiner 1. Sinfonie, der „Frühlingssinfonie“). Ihre Kenntnis des Orchesterklangs war also sehr tiefgehend, auch wenn sie diese seltener für eigene große Partituren nutzte.
Konzertouvertüre (Projekt): Es gibt Hinweise in ihren Tagebüchern, dass sie sich mit dem Gedanken an eine Ouvertüre trug, doch der enorme Druck durch ihre Konzertreisen und die wachsende Familie ließ ihr kaum die nötige Zeit für die aufwendige Arbeit an großen Partituren.
Weitere Bedeutende Werke
Neben ihren Instrumentalwerken hinterließ Clara Schumann ein bedeutendes Erbe im Bereich der Vokalmusik. Ihr Schaffen konzentriert sich hier vor allem auf das Kunstlied für Singstimme und Klavier sowie auf anspruchsvolle Chorwerke.
Die Lieder für Singstimme und Klavier
Clara Schumanns Lieder gelten heute als ebenbürtig zu denen ihres Mannes Robert oder Franz Schuberts. Sie zeichnen sich durch eine tiefe psychologische Ausdeutung der Lyrik aus, wobei das Klavier weit mehr als nur eine Begleitung ist – es fungiert als gleichberechtigter Partner, der die Stimmung des Textes weitermalt.
Besonders hervorzuheben sind die Drei Lieder op. 12, die in einem gemeinsamen Projekt mit Robert Schumann unter dem Titel Liebesfrühling erschienen. Clara vertonte hierfür Gedichte von Friedrich Rückert. Lieder wie „Er ist gekommen in Sturm und Regen“ oder „Liebst du um Schönheit“ gehören zum Kernrepertoire des deutschen Kunstliedes und bestechen durch ihre emotionale Unmittelbarkeit und harmonische Raffinesse.
Ein weiteres bedeutendes Werk ist das Sechs Lieder umfassende Opus 13, gewidmet der Königin von Dänemark. Darin enthalten sind Vertonungen von Heinrich Heine und Emanuel Geibel. Das Lied „Ich stand in dunklen Träumen“ (Heine) zeigt eindrucksvoll Claras Fähigkeit, Melancholie und innere Zerrissenheit musikalisch zu fassen. Ihre späten Sechs Lieder op. 23 nach Texten von Hermann Rollett zeigen sie schließlich auf dem Höhepunkt ihrer kompositorischen Reife mit einer sehr dichten, fast kammermusikalischen Verzahnung von Stimme und Klaviersatz.
Die Chorwerke
Obwohl sie seltener für größere Ensembles schrieb, schuf sie mit den Drei gemischten Chören (nach Gedichten von Emanuel Geibel, 1848) eindrucksvolle A-cappella-Werke. Diese Stücke entstanden als Geburtstagsgeschenk für Robert. Besonders das Stück „Abendfeier in Venedig“ zeigt ihr Gespür für mehrstimmige Satztechniken und eine fast atmosphärische, bildhafte Klangmalerei, die weit über das damals übliche Maß hinausging. Diese Chorsätze beweisen, dass sie auch ohne die Unterstützung des Klaviers komplexe musikalische Strukturen allein durch menschliche Stimmen weben konnte.
Anekdoten & Wissenswertes
1. Das „stumme“ Wunderkind
Es ist kaum zu glauben, aber die spätere Weltklasse-Pianistin sprach als Kleinkind fast gar nicht. Bis zu ihrem vierten Lebensjahr äußerte sie sich kaum und wirkte auf ihre Umwelt fast so, als ob sie schlecht hörte oder eine Entwicklungsverzögerung hätte. Erst als der systematische Klavierunterricht bei ihrem Vater begann, „erwachte“ sie geistig und sprachlich. Musik war buchstäblich ihre erste Muttersprache.
2. Die „Flucht“ nach Paris
Als Clara 19 Jahre alt war, widersetzte sie sich zum ersten Mal massiv ihrem herrschsüchtigen Vater. Um Robert zu treffen und ihre Karriere unabhängig zu planen, reiste sie alleine nach Paris. Für eine junge Frau im Jahr 1839 war es ein unerhörter Skandal, ohne männliche Begleitung oder Anstandsdame durch Europa zu reisen. Sie organisierte dort ihre Konzerte selbst und bewies, dass sie auch ohne die väterliche „Manager-Hand“ überleben konnte.
3. Mut während der Revolution (1849)
Während des Dresdner Maiaufstandes von 1849 zeigte Clara unglaubliche Tapferkeit. Als die Kämpfe eskalierten, floh sie zunächst mit dem psychisch labilen Robert aus der Stadt. Doch sie kehrte mitten durch die Barrikaden und das Gewehrfeuer in das umkämpfte Dresden zurück, um ihre Kinder zu holen, die sie dort zunächst bei einer Magd zurückgelassen hatte. Sie marschierte furchtlos an den Soldaten vorbei und brachte ihre Familie in Sicherheit.
4. Das „Gesicht“ der D-Mark
Für viele Deutsche ist Clara Schumann bis heute das „Gesicht der Musik“, da ihr Porträt (nach einem Gemälde von Andreas Staub) den 100-D-Mark-Schein zierte. Sie war damit eine der wenigen Frauen, die auf der deutschen Währung dauerhaft präsent waren. Interessanterweise blickte sie auf dem Schein etwas streng – ein Bild, das ihrem Ruf als „Hohepriesterin der Musik“ entsprach.
5. Eine leidenschaftliche Zigarrenraucherin?
In ihren späteren Jahren, besonders in der geselligen Runde mit Johannes Brahms, war Clara Schumann dem Genuss nicht abgeneigt. Es gibt Berichte, nach denen sie gelegentlich eine Zigarre rauchte oder zumindest den Tabakgeruch in der Luft schätzte, wenn Brahms bei ihr zu Gast war. Das passte so gar nicht zu dem Bild der züchtigen Witwe, zeigt aber ihre emanzipierte und eigenwillige Seite.
6. Die Sache mit dem Auswendigspielen
Heute ist es für Pianisten Pflicht, aber zu Claras Zeit war es eine Sensation: Als sie begann, ganze Abende ohne Noten zu spielen, hielten das viele für arrogant oder gar „unweiblich“, da es den Anschein erweckte, sie wolle sich über das Werk stellen. Tatsächlich tat sie es aus dem Gegenteil: Sie wollte eins werden mit der Musik. Franz Liszt war einer der wenigen, die ihre Leistung sofort als genial erkannten.
Kleiner Faktencheck:
Hobbys: Sie liebte lange Wanderungen und war eine begeisterte Briefschreiberin (man schätzt, dass sie über 20.000 Briefe verfasste).
Kulinarik: Sie war bekannt dafür, eine exzellente Gastgeberin zu sein. In Frankfurt waren ihre „Kaffeestunden“ bei Schülern und Musikerkollegen legendär.
Sprachen: Sie sprach fließend Französisch und Englisch, was sie sich mühsam für ihre Tourneen beigebracht hatte.
(Das Schreiben dieses Artikels wurde von Gemini, einem Google Large Language Model (LLM), unterstützt und durchgeführt. Es handelt sich lediglich um ein Referenzdokument zum Entdecken von Musik, die Sie noch nicht kennen. Es kann nicht garantiert werden, dass der Inhalt dieses Artikels vollständig korrekt ist. Bitte überprüfen Sie die Informationen anhand zuverlässiger Quellen.)